Arbeitsentgelt von einem Dritten

Nicht selten kommt es vor, dass Arbeitnehmer von einem Dritten, beispielsweise einer Fremdfirma, Preisvorteile, Rabatte, Sachprämien, Provisionen oder Incentives erhalten. Hierbei handelt es sich um Einkünfte, die sozialversicherungs- und steuerrechtliche Konsequenzen mit sich bringen.

Die steuerliche Seite

Erbringt ein Arbeitnehmer im Rahmen seines Beschäftigungsverhältnisses Leistungen, welche ausdrücklich als Ergebnis oder Gegenleistung seiner Arbeit zu betrachten sind, sind Rabatte von Dritten – ausnahmsweise – steuerpflichtig. Dies ist auch dann relevant, wenn der Arbeitgeber aktiv bei der Beschaffung der Rabatte von einem Dritten, sprich einer anderen Firma, eingegriffen hat.

Wird der Rabatt allerdings der gesamten Belegschaft eingeräumt oder wird dieser Rabatt generell im normalen Geschäftsverkehr fremden Dritten gewährt, liegt kein steuerpflichtiges Arbeitsentgelt vor. Mengenrabatte, die einer ganzen Berufsgruppe gewährt werden und denen wirtschaftliche Gründe, wie beispielsweise ein geringerer Arbeitsaufwand, zugrunde liegen, fallen beispielsweise darunter.

Genau konkretisiert wird das Thema im Schreiben der Finanzverwaltung vom 20.01.2015.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer bekommt von einem Dritten (z. B. einem Kunden) eine Flasche Wein, deren Wert über 10 Euro liegt, geschenkt. In diesem Fall muss der Arbeitgeber dafür Lohnsteuer abführen. Eine pauschale Versteuerung ist nicht möglich.

Übersteigt dieser Sachbezug zusammen mit anderen Sachbezügen nicht die monatliche Freigrenze von 44 Euro, braucht der Arbeitgeber nichts zu versteuern.

Dabei gilt die 44-Euro-Freigrenze nicht für Sachbezüge, die mit einem amtlichen Sachbezugswert bewertet werden, beziehungsweise für die der Personalrabattfreibetrag angewandt wird.

Der Personalrabattfreibetrag liegt bei 1.080 Euro pro Jahr und wird auf selbst hergestellte Waren oder Dienstleistungen angewendet.

Erhält ein Arbeitnehmer von einem Dritten eine Eintrittskarte zu einem Handballspiel oder sogar eine Reise geschenkt, müssen diese als steuerpflichtiger geldwerter Vorteil vom Arbeitgeber versteuert werden. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten der Pauschalbesteuerung durch den Dritten oder auch durch den Arbeitgeber, so dass in diesen Fällen keine Lohnsteuer gezahlt werden muss.

Lohnsteuerabzugspflicht – gesetzlich vorgeschrieben

Bei einer Lohnzahlung durch Dritte ist der Arbeitgeber grundsätzlich zum Lohnsteuerabzug verpflichtet. Dabei unterscheidet man im Steuerrecht zwischen einer echten Lohnzahlung und einer unechten Lohnzahlung durch einen Dritten.

Ist der Dritte lediglich als eine Art Zahlstelle in die Auszahlung des Arbeitsentgelts geschaltet, liegt eine unechte Lohnzahlung vor. Dies liegt beispielsweise vor, wenn der Dritte im Auftrag des Arbeitgebers handelt oder sozusagen die Kasse des Arbeitgebers führt.

In solchen Fällen muss der Arbeitgeber die Lohnsteuer einbehalten und entsprechend abführen.

Bekommt ein Arbeitnehmer Vorteile von einem Dritten in Form einer Barzuwendung, mit denen dieser wirtschaftlich belastet wird, handelt es sich um eine echte Lohnzahlung. In diesem Fall muss der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug nur dann vornehmen, wenn er über Höhe und die generelle Tatsache dieser Leistung Bescheid weiß, beziehungsweise bei gebotener Sorgfalt davon Kenntnis hätte erhalten können.

Arbeitnehmer und die Mitteilungspflicht

Ein Arbeitnehmer ist dazu verpflichtet, dem Arbeitgeber zum Monatsende hin Angaben über getätigte Einnahmen zu machen, die er von dritten Personen erhalten hat. Diese Angaben sollte der Arbeitgeber schriftlich festhalten, sich vom Arbeitnehmer unterschreiben lassen und als Beleg zu den Lohnunterlagen des Arbeitnehmers heften.

Um eine Lohnsteuerhaftung zu vermeiden, sollten Arbeitgeber die Arbeitnehmer schriftlich auf die gesetzliche Anzeigepflicht hinweisen und das auch entsprechend dokumentieren.

Im Falle, dass der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber eine Entgeltzahlung durch einen Dritten verschweigt, und der Arbeitgeber seinen Aufzeichnungspflichten nachgekommen ist, ist der Arbeitgeber vor eventuellen Nachforderungen geschützt.

Auswirkungen in sozialversicherungsrechtlicher Sicht

In der Sozialversicherung werden alle Einnahmen aus einem Beschäftigungsverhältnis als Arbeitsentgelt gesehen –unabhängig davon, ob sie im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis oder unmittelbar daraus, erzielt worden sind.

Die Folge: Arbeitsentgelt, durch Dritte gezahlt, muss ebenfalls als sozialversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt verbeitragt werden. Beitragsrechtlich folgt die Sozialversicherung dem Steuerrecht, das heißt, pauschal versteuerter Arbeitslohn bleibt beitragsfrei.

Ausnahme: Bei Sachzuwendungen an Dritte bei verbundenen Unternehmen (Konzernverflechtungen) kann aufgrund der Verflechtung nicht die Höhe des Entgelts, das beitragspflichtig ist, ohne einen größeren Aufwand ermittelt werden.