Die Mehrfachbeschäftigung beim Minijob

Eine Mehrfachbeschäftigung bedeutet heute häufig nicht nur, dass ein Arbeitnehmer neben seiner Hauptbeschäftigung e i n e Zweitbeschäftigung annimmt. Vielmehr ergibt sich gerade beim Thema Minijob vielfach die Situation, dass das Hauptbeschäftigungsverhältnis gleich mehrere Minijobs begleiten, beziehungsweise mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse nebeneinanderstehen. Für Arbeitgeber drängt sich die Frage auf, wie es um die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von mehreren Minijobs geht. 

Mehrfachbeschäftigung beim Minijob – verschiedene Varianten

1. Arbeitnehmer mit einer Hauptbeschäftigung und einem/mehreren Minijobs

Voraussetzungen eines Minijobs

Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung definiert sich vor allem über die Höhe des regelmäßigen Arbeitsentgelts. Dieses darf 450 Euro im Monat nicht überschreiten.

Bestimmung des regelmäßigen Entgelts

Es spielt sowohl die Anzahl der Monate eine Rolle, für die eine Beschäftigung gegen Entgelt besteht, als auch die Berücksichtigung aller laufenden und einmaligen Einnahmen aus dem Arbeitsverhältnis. So sind Urlaubs- und Weihnachtsgelder zu berücksichtigen. Auf das Jahr gerechnet ergibt sich eine Verdienstgrenze von 5.400 Euro.

Sozialversicherungsrechtliche Behandlung des Minijobs

Der Minijob bleibt für den Arbeitnehmer beitragsfrei, da der Arbeitgeber pauschale Beiträge an die Sozialversicherung und den Fiskus abführt. Die pauschalen Beiträge unterscheiden sich in der Höhe, je nachdem, ob es sich um ein gewerbliches Beschäftigungsverhältnis, eines im privaten Haushalt oder um einen kurzfristigen Minijob (auf 70 Arbeitstage oder drei Monate begrenzt) handelt. Auf letzteren entfallen im Wesentlichen nur pauschale Steuern. Eine Ausnahme gilt für die Rentenversicherung beim Minijob. Hier wird der Arbeitnehmer mit einer Pauschale an den Abgaben beteiligt, sofern er nicht einen Antrag auf Befreiung stellt.

Hauptbeschäftigung und ein Minijob

Die Mehrfachbeschäftigung beim Minijob kann in einem Minijob neben einem versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigungsverhältnis bestehen.
In diesem Fall ändert sich beim Minijob beitragsrechtlich nichts. Bei der Haupttätigkeit wird wie bisher die Beitragsteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durchgeführt, der Arbeitgeber ist Beitragsschuldner. Der Minijob bleibt für den Arbeitnehmer sozialversicherungsfrei, der Arbeitgeber des Minijobs führt die Pauschalbeträge ab. Auch wenn die Mehrfachbeschäftigung beim Minijob hier sozialversicherungsrechtlich folgenlos bleibt, benötigen Arbeitgeber Informationen zu der Mehrfachbeschäftigung.

Arbeitgeberhaftung und Mitteilungspflichten des Arbeitnehmers

Da Arbeitgeber für die korrekte Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen haften, obliegt ihnen die Feststellung, ob der Arbeitnehmer weitere Beschäftigungen ausübt. Sie haben sich zu dieser Frage eine schriftliche Erklärung des Arbeitnehmers einzuholen, in der der Arbeitnehmer, die Frage nach weiteren Beschäftigungsverhältnissen beantwortet und außerdem bestätigt, dass er die künftige Aufnahme von weiteren Tätigkeiten unverzüglich mitteilt. Beide Erklärungen des Arbeitnehmers gehören in die Entgeltunterlagen. Der Bundesverband der Arbeitgeber hat eine entsprechende Checkliste entwickelt, die sehr nützliche Hinweise und Hilfestellungen zum Thema gibt.

Hauptbeschäftigung und mehrere Minijobs

Hier wird das Thema Mehrfachbeschäftigung beim Minijob komplexer.
Die Verdienste des zeitlich als zweiten aufgenommenen und aller weiteren 450-Euro-Minijobs werden mit dem Verdienst der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Diese Kumulation führt in der Regel zur Versicherungspflicht in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung auch bei den betroffenen Minijobs. Arbeitslosenversicherungsbeiträge bleiben außen vor und sind für diese Beschäftigungen nicht zu zahlen.

2. Arbeitnehmer mit mehreren Minijobs ohne Haupttätigkeit

Auch in diesem Fall führt die Mehrfachbeschäftigung beim Minijob unter Umständen zur Sozialversicherungspflicht. Dies gilt umso mehr, als hier keiner der Minijobs aus der kumulativen Betrachtung ausscheidet. Vielmehr werden die Verdienste aller Minijobs zusammengerechnet. Übersteigen diese zusammengenommen monatlich die 450-Euro-Grenze, werden alle Minijobs sozialversicherungspflichtig. Unbeachtet bleiben bei der Zusammenrechnung nur kurzfristige Minijobs.

3. Arbeitgeber – Achtung Mehrfachbeschäftigung beim Minijob!

Die Mehrfachbeschäftigung beim Minijob ist sozialversicherungsrechtlich nicht immer leicht zu beurteilen. Mögliche Ausnahmen von der Versicherungsfreiheit führen vielfach dazu, dass der Arbeitgeber die Versicherungspflicht nicht richtig bewertet. Im Sozialversicherungsrecht haftet der Arbeitgeber sowohl für korrekte Meldungen als auch für die Beitragszahlungen an sich. Dabei haftet er auch zeitlich sehr ausgedehnt. Er hat für den Gesamtbeitrag einschließlich Arbeitnehmeranteil des laufenden Jahres und der 4 vorhergehenden Kalenderjahre einzustehen. Säumniszuschläge von 1 % je Monat kommen vielfach hinzu. Gerade im Hinblick auf die Haftung für die zurückliegenden Zeiträume kann sich der Arbeitgeber durch die erwähnten schriftlichen Bestätigungen des Arbeitnehmers befreien. Diesen kommt eine große Bedeutung zu. Der Arbeitgeber sollte stets darauf achten, sie vom Arbeitnehmer einzufordern.