Lohnrückstände von Unternehmern: Ursachen, Prävention und richtiges Handeln

Lohnzahlungen gehören zu den selbstverständlichen Verpflichtungen eines jeden Arbeitgebers. Durch den Arbeitsvertrag ist er gesetzlich „zur Zahlung der vereinbarten Vergütung“ nach § 611a BGB verpflichtet. Trotz dieser grundsätzlichen Verpflichtung ist es für Unternehmen aufgrund akuter Liquiditätsengpässe immer wieder schwierig, Löhne rechtzeitig und in voller Höhe zu zahlen. Wie derartigen problematischen und peinlichen Engpässen vorgebeugt werden kann, was zu tun ist, wenn akute Not besteht und welche Folgen ausbleibende Lohnzahlungen für den Arbeitgeber haben können, erklären wir hier. Schließlich sind diese Fragen ebenso dringlich wie wichtig.

Die Bedeutung von Liquidität

Bevor wir uns der Frage der Engpässe zuwenden, behandeln wir zunächst die Frage der Liquidität. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Ausstattung an Zahlungsmitteln, die einem Unternehmen sowohl für Investitions- und Konsumauszahlungen sowie zur Befriedigung von Zahlungsverpflichtungen, also etwa den Löhnen. Zur Erhaltung der Liquidität müssen nicht nur unmittelbar verfügbare finanzielle Ressourcen vorhanden sein, sondern zum Beispiel auch Güter, Devisen und Wertpapiere, die mobilisierbar sind.

Wie es zu Engpässen kommen kann

Zuallererst müssen wir uns der Frage widmen, wie es überhaupt zu Engpässen in der Lohnzahlung kommen kann. Schließlich gehört diese zu den zentralen Aufgaben jedes Unternehmens. Eine der häufigsten Ursachen für Liquiditätsengpässe sind tatsächlich Fehlentscheidungen im Management, die an sich leicht zu vermeiden gewesen wären. Missmanagement, das sich nachhaltig auf die Engpässe in der Liquidität auswirken kann, ist verhältnismäßig vielfältig. Es kann beispielsweise durch Unwissenheit, Unfähigkeit oder sogar kriminelles Handeln entstehen. Insofern muss es keinesfalls durch Absicht zu derartigen Missständen kommen.

Dabei kann Missmanagement in den heutigen dynamisierten Zeiten sehr schnell zu Stande kommen. Sehen die Zahlen für ein Unternehmen beispielsweise gut aus, investiert es entsprechend und hofft, dass diese Investitionen zu einem weiteren Anstieg des Erfolgs führen. Verändert sich aber die Situation am Markt, können die Zahlen schnell rückläufig werden. Entsprechend kann es schnell passieren, dass das Unternehmen in relativ kurzer Zeit und unvorhersehbar abrutscht, insofern die notwendige Vorsorge für Krisenzeiten nicht geschaffen wurde.

Beispiele für Missmanagement gibt es in Unternehmen jeder Größe. Das ist angesichts der vielfältigen Gründe auch kein Wunder. Unter anderem kann auch verantwortlich sein, dass führende und hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Welche Folgen drohen im Fall von ausbleibenden Lohnzahlungen?Lohnrückstände von Unternehmern: Ursachen, Prävention und richtiges Handeln

Beschäftigen wir uns nun mit den Folgen, die Unternehmerinnen und Unternehmern im Falle von ausbleibenden Lohnzahlungen drohen. Diese können, so viel sei schon vorab gesagt, abgesehen etwaiger finanzieller Folgen noch weitere Konsequenzen nach sich ziehen. So nimmt beispielsweise das Image der Firma großen Schaden, wenn die Angestellten von den Lohnausfällen Familien und Freunden berichten. Sollten Informationen an die Presse gelangen, droht gleich ein Super-GAU in Sachen Public Relations. Es gilt also, auch aus ethischen Gründen, unbedingt eine Unfähigkeit zur Lohnzahlung zu vermeiden.

Was aber droht den Firmen, die die Löhne an ihre Angestellten verspätet oder gar nicht zahlen, an konkreten Folgen?  Im Falle eines Zahlungsverzuges müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunächst die Fälligkeit ihres Lohns feststellen. Das heißt, dass sie diese Zahlung rechtlich verlangen können.

Wann aber ist diese Fälligkeit überhaupt gegeben? Die Fälligkeit der Vergütung ist „nach der Leistung der Dienste“ gegeben. Allerdings gilt in den meisten Arbeitsverhältnissen, dass die „Vergütung nach Zeitabschnitten“ bemessen und sie somit „nach dem Ablauf der einzelnen Zeitabschnitte zu entrichten“ ist. Diese im § 614 BGB etwas kryptisch formulierten „Zeitabschnitte“ sind natürlich in den meisten regulären Arbeitsverhältnissen nichts anderes als Monatsgehälter. Es bedeutet aber in allererster Linie, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Vorleistung treten müssen.

In Verzug gerät der Arbeitgeber demnach schon dann, wenn der kalendarisch vereinbarte Termin für die Fälligkeit der Zahlung verstrichen ist. Finanziell problematisch wird es für Arbeitgeber besonders dann, wenn für seinen Gläubiger in der Zeit seit dem Zahlungsausfall Schäden entstanden sind. Im Klartext: Lohnausfälle können schnell dafür sorgen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht länger Kredite, Versicherungen oder ähnliche laufende Kosten bedienen können.

Schadensersatzforderungen können anfallenSchadensersatzforderungen können anfallen

Sollte also der Arbeitnehmer tatsächlich finanzielle Schäden erleiden, da er seine laufenden Kosten nicht länger bedienen kann, muss der Arbeitgeber womöglich Schadensersatz leisten. Das bedeutet, dass er keineswegs nur die ohnehin offenen Zahlungen leisten muss, sondern stattdessen möglicherweise eine Verzugsschadenpauschale in Höhe von 40 Euro leisten muss. Je nach Zahl der Angestellten summiert sich dieser Betrag natürlich. Alternativ kann es auch sein, dass Verzugszinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz pro Jahr anfallen. Es ist sinnvoll, die anfallenden Zinsen in Folge selbst zu berechnen und sich im Fall des Falles fachrechtlich beraten zu lassen. Übrigens verstehen sich diese Zinsen in Bezug auf den Bruttolohn.

Es drohen allerdings noch schlimmere Schäden. Nach einem Vierteljahr ohne Lohnzahlungen kann der Arbeitnehmer die Arbeit verweigern. Klar ist aber, dass es zu dieser Lage gar nicht erst kommen darf.

Was tun, um ausbleibende Lohnzahlungen zu verhindern?

Selbstverständlich liegt die größte Prävention darin, solide Finanzplanung zu betreiben und somit gar nicht in die Verlegenheit zu kommen, Löhne nicht mehr zahlen zu können. Wenn das entsprechende Know-how nicht im Unternehmen selbst vorhanden ist, müssen beratende Kräfte hinzugezogen werden. Intelligentes Outsourcing ist hier das Stichwort. Nicht jeder Unternehmer, der sehr gut im Verkauf ist, hat gleichzeitig das Zeug dazu, eine ideale Finanzplanung vorzulegen. Hier gilt es, die eigenen Schwächen rechtzeitig zu realisieren und entsprechend damit umzugehen.

Sollte ein Unternehmen tiefrote Zahlen schreiben, bleibt womöglich nichts anderes übrig, als einen Firmen-Kredit aufzunehmen, der die Liquidität zumindest mit geliehenem Geld vorerst sichert. Wie gerade schon beschrieben wurde, ist ein Lohnrückstand für Unternehmer nicht nur extrem unangenehm, sondern kann zu weiteren zusätzlichen Kosten führen. Unternehmen können zum Beispiel zum Erhalt eines entsprechenden Firmen-Kredits von einem Kreditinstitut die entsprechende Sicherheit stellen lassen. Klar ist aber, dass dieses Vorhaben nur mit einem guten und nachhaltigen Plan zur Sanierung des Unternehmens umsetzbar ist. Ansonsten kann die Misere schnell noch zum persönlichen Ruin des Unternehmers führen.

Wie sollten Unternehmen bei Lohnrückständen handeln?

Trotz des Umstandes, dass Lohnrückstände gar nicht erst entstehen sollten, kann der Fall eintreten. Dann sollten Inhaberinnen und Inhaber wissen, wie sie sich richtig verhalten. Ein mögliches Folgeverhalten bei Liquiditätsproblem ist das Stellen eines Insolvenzantrages, zu dem man möglicherweise sogar verpflichtet ist. Das mag ein unangenehmes Gefühl sein, ist vielfach aber lediglich der richtige Schritt.

Unbedingt ist davon abzuraten, dass man als Arbeitgeber die Nettolöhne zahlt, aber die einzubehaltende und abzuführende Lohnsteuer nicht unmittelbar an das Finanzamt abgeben. Das ist natürlich eine sehr problematische Einstellung und alles andere als empfehlenswert. Schließlich haften Arbeitgeber nach Gesetz persönlich für die Lohnsteuer.

Teilen sich verschiedene Personen die Geschäftsführung, ist es wichtig, die Kompetenzen schon vorher klar aufzuteilen und das auch so formal festzuhalten. Teilinhaber, die von unregelmäßigen Vorgängen Kenntnis haben und nichts unternehmen, haften aber trotzdem.

Mitarbeiter aufklären

Ganz wichtig ist es, die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzuklären. Denn schließlich ist Kommunikation alles. Je besser man ihnen die aktuelle Lage erklärt und dazu, weshalb die Lohnausfälle zu Stande kommen, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie die Problematik zumindest kurzfristig akzeptieren. Die schlechteste Wahl ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dunkeln darüber zu lassen.

Allerdings ist die grundsätzliche Bedingung für diesen Schritt eine grundsätzlich gute Mitarbeiterkommunikation. Ansonsten kann das plötzliche Bitten um Verständnis sehr gestellt wirken. Am Punkt, an dem ein Lohnrückstand bereits entstanden ist, ist es für eine gute Kommunikation zu spät.

Fazit

Alles in allem gibt es also durchaus Methoden, mit Lohnrückständen umzugehen. Nichtsdestotrotz gilt es, diese mit allen Möglichkeiten zu verhindern.

Bildquellen:

Abbildung 1: fotolia.de © thodonal #157252870

Abbildung 2: fotolia.de © zinkevych #178535412

Abbildung 3: fotolia.de © Andrey Popov #182986898