Rente: Das Basiswissen für zukünftige Arbeitgeber

Rente: Das Basiswissen für zukünftige Arbeitgeber

Als Herr über ein frisch gegründetes Unternehmen, womöglich noch ohne weitere Mitarbeiter, hat man eine ganze Menge im Kopf. Die Rente gehört in den seltensten Fällen dazu. Leider wird dieses Thema allzu oft auf die lange Bank geschoben. Nicht nur man selbst muss vorsorgen, spätestens wenn die erste 400-Euro-Kraft eingestellt wird, muss man als Arbeitgeber das große Themengebiet der Rentenformen ebenso auswendig können wie das der Sozialversicherung. Um das ein wenig zu erleichtern, geben wir in diesem Artikel sowohl einen Überblick über die drei in Deutschland bedeutsamen gesetzlichen Rentenformen wie das, was Selbstständige auch zusätzlich tun können. 

Die Altersrente

Für die allermeisten Angestellten und eine nicht zu unterschätzende Zahl an Selbstständigen kommt irgendwann ein Alter, in dem das Lebensarbeitspensum erfüllt ist. Natürlich mit steigenden Lebenszeiten und dem wertvollen Erfahrungsschatz älterer Mitarbeiter gibt es natürlich auch viele, die nach dem gesetzlichen Renteneintrittsalter weiter arbeiten möchten. Aber prinzipiell hat heute jeder, der nach 1964 geboren wurde, das Recht, mit 67 Jahren den Beruf aufzugeben und in Rente zu gehen. Hier sprechen wir von der Regelaltersrente, der Zeitpunkt des Eintritts ist allerdings vom Geburtsjahrgang abhängig.

Wer 1964 geboren wurde, könnte demnach frühestens im Jahre 2031 diese Rente beziehen; für früher Geborene gilt derzeit noch eine Übergangszeit, in der das Eintrittsalter schrittweise hochgestockt wird. Bei der Altersrente (und somit allen anhängigen Renten) ist die Beitrags-Stückelung einfach: 50% bezahlt der Arbeitnehmer von seinem Bruttogehalt, 50% übernimmt der Arbeitgeber. Der Betrag beträgt aktuell noch 18,7%, soll aber in 2018 auf 18,6% sinken.

Wichtig für Selbstständige: Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Selbstständige generell nicht pflichtversichert seien. Jedoch gibt es eine Handvoll Berufsgruppen, die ebenfalls dazugehören. Darunter auch „Lehrkräfte“, worunter auch selbstständige Coaches, Sporttrainer etc. fallen. Und selbst wer nicht in diesen Berufen arbeitet, hat immer noch die Option, freiwillig in die Rentenversicherung einzuzahlen. Tatsächlich wählt rund die Hälfte aller deutschen Selbstständigen diesen Weg. Allerdings sollte man sich, wenn man schon älter ist, sputen. Denn auch bei der „freiwilligen Pflicht“ besteht die gleiche Mindesteinzahldauer von fünf Jahren. Der monatliche Regelbeitrag für diese Personen beträgt aktuell fixe 566,37 Euro in den alten und 501,27 Euro in den neuen Bundesländern 

Die Erwerbsminderungsrente

Die Erwerbsminderungsrente

Den von allen Rentenarten größten Wandel hat die Erwerbsminderungsrente erlebt. Nachstehend von uns die zwei wichtigsten Änderungen aufgeführt:

  • Die Erwerbsunfähigkeitsrente bestand formell nur bis zum 1. Januar 2001. Sie wurde durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt, beide Begriffe werden jedoch häufig und fälschlicherweise synonym verwendet.
  • Die Berufsunfähigkeitsrente besteht nur noch für Personen, die vor 1961 geboren wurden. Sie wird dann gezahlt, wenn man seinen angelernten aber nicht einen einfacheren Beruf nach einer Behandlungszeit von mindestens sechs Monaten mehr für mindestens sechs Stunden pro Tag ausüben kann.

Grundsätzlich gilt zu unterscheiden, ob es sich um eine Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung handelt. Denn wer berufsunfähig ist, kann gegebenenfalls dennoch eine andere Tätigkeit ausführen. Damit fokussiert sich alles auf die Erwerbsminderungsrente. Im Falle des Falles greift so auf jeden Fall eine gesetzliche Rentenregelung. Wie auch bei der Altersrente ist es auch hier wichtig, sich nicht nur auf die gesetzliche Rente zu verlassen und privat vorzusorgen. Die Höhe der Erwerbsminderungsrente hängt vom jeweiligen Fall sowie Einkommen ab. Damit ist also nicht abgesichert, dass gegebenenfalls die Lebensunterhaltskosten abgedeckt sind. Im Falle der Erwerbsminderungsrente sollte man mittels Erwerbsunfähigkeits- und/oder Berufsunfähigkeitsversicherung vorgreifen.

Einfaches Beispiel: Ein Kfz-Meister hat sich selbstständig gemacht und wird durch einen Autounfall von der Hüfte abwärts querschnittsgelähmt. Damit ist er zwar in seinem eigentlichen Job berufsunfähig, könnte jedoch in seiner Werkstatt Kundenkontakt, Auftragserstellung und sonstige Büroarbeiten übernehmen. Wäre er jedoch vom Hals an abwärts gelähmt, könnte er selbst einfachere Tätigkeiten nicht mehr ausüben und wäre demnach erwerbsunfähig.

Wichtig für Selbstständige: Die Erwerbsminderungsrente ist automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung inkludiert. Die fünfjährige Wartezeit entfällt, falls die Erwerbsminderung durch einen Berufsunfall eintritt. Die Höhe richtet sich nach Alter, Familienstatus und Einkommen. Grob gerechnet ergibt jedoch selbst die volle Erwerbsminderungsrente nicht mehr als die Hälfte des bisherigen Einkommens.

Die Hinterbliebenenrente

Jeder, der mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt hat, ob selbstständig oder angestellt, hat ein Recht darauf, dass nach seinem Ableben die Hinterbliebenen zumindest teilweise finanziell abgesichert sind. Das gilt sowohl für Ehepartner wie Kinder.

Bei Ehen und eingetragenen Lebenspartnerschaften sieht es folgendermaßen aus: Obwohl es Ausnahmen für vor 2001 Gestorbene gibt, ist heutzutage die als „neues Recht“ bezeichnete Regulierung dieser Rentenform von Bedeutung. Darunter fallen alle Menschen die:

  • Vor dem 31. Dezember 2001 geheiratet haben aber beide Partner nach dem 1.1. 1961 geboren wurden

Oder

  • Paare, die nach dem 31. Dezember 2001 geheiratet haben – unabhängig von ihrem Geburtsjahrgang.

Allerdings mit einem speziellen Passus: So muss die Ehe mindestens ein volles Kalenderjahr lang bestanden haben und es darf kein Rentensplitting vereinbart worden sein. Sind beide Voraussetzungen erfüllt, wird sofort nach dem Tod an den Partner eine Witwenrente bezahlt. Diese unterteilt sich in zwei abgestufte Elemente:

  • Die kleine Rente. Sie beträgt in den ersten drei Monaten 100% der Partner-Rente und wird dann auf 25% reduziert, die für weitere zwei Jahre bezahlt werden, unabhängig davon, ob der Hinterbliebene eine neue Beziehung eingeht.
  • Die große Rente. Sie beträgt in den ersten drei Monaten ebenfalls 100%, danach werden immerhin noch 55% ausbezahlt. Voraussetzung ist jedoch, dass der Hinterbliebene keine neue Ehe bzw. eingetragene Lebenspartnerschaft eingeht, mindestens 45 Jahre alt ist oder ein vom Verstorbenen stammendes minderjähriges Kind erziehen muss.

Überdies wird die große Rente auch ausbezahlt, wenn der Hinterbliebene eine Erwerbsminderungsrente bezieht.

Hinterlässt der Verstorbene Kinder, wird diesen zudem eine (Halb-)Waisenrente bezahlt. Diese beträgt bei Halbweisen zehn Prozent (Vollwaisen 20%) der Rente und wird bis zum 18. Geburtstag ausbezahlt. Innerhalb bestimmter Parameter (Berufsausbildung) kann die Auszahlung auch bis zum 27. Geburtstag verlängert werden.

Wichtig für Selbstständige: Die Hinterbliebenenrente wird nicht unbegrenzt bezahlt, sofern der Hinterbliebene einer selbstständigen Beschäftigung nachgeht. In einem solchen Fall besteht eine Freibetragsgrenze von 742,90 Euro. Wird dieses Einkommen durch die selbstständige Arbeit überschritten, wird die Hinterbliebenenrenten-Auszahlung gestückelt reduziert und zwar um die prozentuale Überschreitung des Freibetrages. 

Freiwillig mehr?

Die Möglichkeit der freiwilligen Pflichtversicherung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Rentenform für Selbstständige nur das Mindestmaß darstellt. Salopp gesagt: „mehr ist immer gut“. So empfehlen sich dringend weitere Maßnahmen, welche nicht nur die generelle Rentensumme aufstocken, sondern vielleicht auch ermöglichen, es schon vor der gesetzlichen Altersfrist ruhiger angehen zu lassen. Interessant sind in diesem Umfeld:

  • Versicherungsnetze der Branche, etwa durch Knappschaften, Innungen usw. Diese sind oftmals auch Alternative zur freiwilligen Pflichtversicherung.
  • Rürup-Renten, welche zwar privat angespart, aber vom Staat zusätzlich bezuschusst werden. Wichtig bei Rürup: Diese kann nur gestückelt und nicht als Einmalzahlung ausgeschüttet werden.
  • Die klassische Lebensversicherung ist immer noch bei vielen Anlegern beliebt.
  • Allerdings muss bei dieser Investition darauf geachtet werden, das Risiko für (Total-)Verluste durch breite Streuung zu minimieren. Eine während der gesamten Laufzeit arbeitsintensive, aber bei guter Beratung sehr ertragreiche Variante.

Natürlich verbleibt noch die Option, auf die sehr viele Selbstständige setzen: Immobilien, insbesondere zur Vermietung. Schon weil diese Methode den großen Vorteil hat, eine sehr sicher planbare und je nach Lage praktisch felsenfeste Rentenvariante darzustellen. Der verrentete Selbstständige als Vermieter, das ist seit vielen Jahren ein Erfolgsmodell, das im Zuge der Wohnungsknappheit sicherlich nicht an Bedeutung verlieren wird.

Jung gewinnt

Doch ganz gleich in welcher Form man sich absichern möchte, man sollte es so früh wie möglich angehen. Schon Erwerbsminderung kann jeden treffen. Und geht es an die Altersbezüge, so zählt nicht nur jedes Jahr sondern mittlerweile jeder Monat, den man eingezahlt oder eben nicht. Das sollte man bei aller jugendlichen Gründer-Vitalität immer im Hinterkopf behalten.

 

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