Im Vertrieb, im Autohaus, in Maklerbüros oder im Einzelhandel gehört die Provision oft fest zum Gehalt. Für die Lohnabrechnung stellt sich dann immer dieselbe Frage: Wie wird eine Provision versteuert? Die kurze Antwort: Provisionen angestellter Beschäftigter sind Arbeitslohn und voll lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Wie hoch der Abzug im Auszahlungsmonat ausfällt, hängt aber davon ab, ob die Provision als laufender Arbeitslohn oder als sonstiger Bezug abgerechnet wird. Wir zeigen, was Arbeitgeber 2026 bei Steuer, Sozialversicherung, Vorschüssen, Urlaub, Krankheit und Mindestlohn beachten müssen – mit Rechenbeispiel.
Das Wichtigste in Kürze Stand: Oktober 2026
- Provisionen angestellter Beschäftigter sind Arbeitslohn: Es fallen Lohnsteuer, gegebenenfalls Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag sowie Sozialversicherungsbeiträge an – es gibt keinen Freibetrag.
- Monatlich gezahlte Provisionen sind laufender Arbeitslohn. Werden sie viertel- oder halbjährlich gesammelt gezahlt, sind sie lohnsteuerlich ein sonstiger Bezug (Jahreslohnsteuer-Verfahren).
- In der Sozialversicherung bleiben Provisionen grundsätzlich laufendes Entgelt und sind den Monaten zuzuordnen, in denen sie erarbeitet wurden.
- Provisionen zählen beim Urlaubsentgelt und bei der Entgeltfortzahlung mit und können den Mindestlohn von 13,90 € erfüllen.
- Selbständige Handelsvertreter erhalten keine Lohnabrechnung, sondern eine Provisionsabrechnung nach § 87c HGB – diese Regeln gelten über § 65 HGB aber auch für angestellte Verkäufer.
Wird eine Provision versteuert?
Ja. Erhält ein Arbeitnehmer eine Provision für Geschäfte, die er im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses vermittelt oder abschließt, ist sie Arbeitslohn nach § 19 EStG. Der Arbeitgeber behält Lohnsteuer (und gegebenenfalls Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag) ein und berechnet Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Eine Steuerbefreiung oder einen Freibetrag für Provisionen gibt es nicht. Ob die Provision einen festen Prozentsatz vom Umsatz, vom Deckungsbeitrag oder einen Festbetrag je Abschluss beträgt, spielt dafür keine Rolle. Welche Provisionsmodelle es gibt und wie sie sich von Akkord, Prämie und Bonus unterscheiden, lesen Sie im Beitrag Lohnformen im Vergleich.
Provisionen von Dritten
Auch eine Provision, die nicht der Arbeitgeber, sondern ein Dritter zahlt – etwa eine Bank, ein Versicherer oder ein Hersteller, dessen Produkte die Beschäftigten verkaufen –, kann Arbeitslohn sein. Der Arbeitgeber muss davon Lohnsteuer einbehalten, wenn er weiß oder erkennen kann, dass sie gezahlt wird (§ 38 Abs. 1 Satz 3 EStG); bei verbundenen Unternehmen wird das insbesondere angenommen. Beschäftigte müssen solche Zahlungen am Ende des Lohnzahlungszeitraums melden. Fehlen die Angaben oder sind sie erkennbar falsch, zeigt der Arbeitgeber das dem Betriebsstättenfinanzamt an.
Laufender Arbeitslohn oder sonstiger Bezug?
Für die Lohnsteuer entscheidet der Zahlungsrhythmus darüber, wie gerechnet wird:
Beim sonstigen Bezug wird die Lohnsteuer nicht über die Monatstabelle, sondern über den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn berechnet: Die Steuer auf den Jahreslohn mit Provision minus die Steuer ohne Provision ergibt die Lohnsteuer auf die Provision (§ 39b Abs. 3 EStG). Das verhindert, dass eine große Sammelzahlung so besteuert wird, als würde der Beschäftigte jeden Monat so viel verdienen. Wird eine Provision für das Vorjahr erst nach den ersten drei Wochen des neuen Jahres gezahlt, ist sie ebenfalls ein sonstiger Bezug. Wie Einmalzahlungen allgemein abgerechnet werden, zeigt der Beitrag Sonderzahlungen, Bonus und Weihnachtsgeld.
Beispiel (Beispielwerte 2026, Steuerklasse I, ohne Kirchensteuer): Fixum 2.800 € monatlich, Quartalsprovision 3.600 € im Juli. Lohnsteuer auf die Provision:
Als sonstiger Bezug
ca. 788 €
Richtig bei Quartalszahlung: Berechnung über den Jahresarbeitslohn (33.600 € → 37.200 €).
Fälschlich als laufender Lohn
ca. 972 €
Monatstabelle mit 6.400 € – die Progression wird so berechnet, als läge das Gehalt das ganze Jahr so hoch.
Differenz
ca. 184 €
zu viel einbehalten. Das gleicht sich zwar über den Lohnsteuer-Jahresausgleich oder die Steuererklärung aus, kostet den Beschäftigten aber zunächst Liquidität.
Die Lohnsteuerwerte sind eigene Näherungsrechnungen nach dem Einkommensteuertarif 2026 mit vereinfachter Vorsorgepauschale; die exakten Beträge liefert das Entgeltabrechnungsprogramm.
Sozialversicherung: Provisionen den Monaten zuordnen
Für die Beiträge gilt eine andere Logik als bei der Lohnsteuer: Provisionen sind Gegenleistung für die Arbeit in bestimmten Monaten und deshalb grundsätzlich laufendes Arbeitsentgelt – auch wenn sie in größeren Abständen gezahlt werden. Werden sie regelmäßig erst im nächsten oder übernächsten Monat abgerechnet, dürfen sie aus Vereinfachungsgründen im Abrechnungsmonat verbeitragt werden. Bei vierteljährlichen oder halbjährlichen Zahlungen sind sie dagegen auf die Monate zu verteilen, in denen sie erarbeitet wurden; die Abrechnungen dieser Monate werden dazu aufgerollt. Unterbleibt diese Zuordnung, werten Betriebsprüfer die Sammelzahlung erfahrungsgemäß als Einmalzahlung – mit anteiliger Jahres-Beitragsbemessungsgrenze, was bei Besserverdienenden zu Nachforderungen führen kann.
Echte Einmalzahlungen – etwa eine Jahreszielprovision, die nicht einzelnen Monaten zugeordnet werden kann – werden nach § 23a SGB IV verbeitragt. Wird sie zwischen Januar und März gezahlt und überschreitet sie die anteilige Jahres-BBG des laufenden Jahres, wird sie dem Vorjahr zugeordnet. Wie das genau funktioniert, erklärt der Beitrag Märzklausel auf den Punkt gebracht.
Rechenbeispiel: Was von der Provision netto übrig bleibt
Eine Verkäuferin erhält ein Fixum von 2.800 € und im Oktober 2026 eine monatliche Provision von 1.200 €. Die Provision wird als laufender Arbeitslohn mit dem Gehalt abgerechnet; das Gesamtbrutto von 4.000 € liegt unter den Beitragsbemessungsgrenzen.
Beispielwerte 2026: Steuerklasse I, ein Kind, ohne Kirchensteuer, durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2,9 %. Lohnsteuer als Näherungswert.
Die Provision wird also nicht mit einem eigenen „Provisionssteuersatz“ belegt, sondern erhöht das monatliche Bruttogehalt – und wird deshalb mit dem persönlichen Grenzsteuersatz belastet. Im Beispiel gehen gut 23 % der Provision an Lohnsteuer und rund 21 % an Sozialversicherungsbeiträge. Hinzu kommen beim Arbeitgeber die Umlagen U1 und U2, deren Sätze von der Krankenkasse abhängen. Liegt das Gehalt bereits über der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 5.812,50 € in der KV/PV, 8.450 € in der RV/AV), fallen auf die Provision in diesen Zweigen keine weiteren Beiträge an.
Provisionsvorschuss und Rückforderung
Viele Provisionsregelungen sehen Vorschüsse vor, die später mit den tatsächlich verdienten Provisionen verrechnet werden. Nach § 87a Abs. 1 HGB, der über § 65 HGB auch für angestellte Verkäufer gilt, steht dem Beschäftigten ein angemessener Vorschuss zu, wenn die Provision vertraglich erst später entstehen soll – fällig spätestens am letzten Tag des Folgemonats. Für die Abrechnung gilt:
- Lohnsteuer: Der Vorschuss ist Arbeitslohn im Monat der Auszahlung. Ein Zurückdrehen findet nicht statt.
- Verrechnung im selben Jahr: Wird ein zu hoher Vorschuss mit späteren Provisionen verrechnet, mindert sich der steuerpflichtige Arbeitslohn des Verrechnungsmonats.
- Rückzahlung: Zahlt der Beschäftigte Provisionen zurück – etwa weil der Kunde storniert oder nicht zahlt (§ 87a Abs. 2 HGB) –, sind das negative Einnahmen im Jahr der Rückzahlung (BFH, VI R 2/05), nicht im Jahr der ursprünglichen Zahlung.
- Sozialversicherung: Hier wird grundsätzlich rückwirkend korrigiert. Ob und in welchem Umfang Beiträge zu erstatten sind, hängt vom Einzelfall ab – klären Sie das bei größeren Beträgen mit der Krankenkasse.
- Pfändungsschutz: Wird mit dem laufenden Nettolohn aufgerechnet, ist nur der pfändbare Teil verfügbar (§ 394 BGB).
Provisionen, die nach dem Ausscheiden noch fließen – etwa aus Geschäften, die der Beschäftigte vor dem Austritt angebahnt hat –, sind ebenfalls Arbeitslohn. Was dann bei Steuerklasse und Beiträgen gilt, lesen Sie im Beitrag Lohnabrechnung, wenn Mitarbeiter ausscheiden.
Provisionsabrechnung: Handelsvertreter und angestellte Verkäufer
Der Begriff „Provisionsabrechnung“ wird für zwei unterschiedliche Dinge verwendet. Entscheidend ist, ob die Person selbständig oder angestellt ist:
Angestellter Verkäufer (Handlungsgehilfe)
- Arbeitnehmer, weisungsgebunden
- Provision ist Arbeitslohn und läuft über die Lohnabrechnung
- Lohnsteuer und Sozialversicherung
- Urlaub, Entgeltfortzahlung, Mindestlohn gelten
- §§ 87 Abs. 1 und 3, 87a–87c HGB gelten entsprechend (§ 65 HGB)
Selbständiger Handelsvertreter (§ 84 HGB)
- Gestaltet Tätigkeit und Arbeitszeit im Wesentlichen frei
- Erhält eine Provisionsabrechnung (häufig per Gutschrift) – keine Lohnabrechnung
- Versteuert die Provision selbst, in der Regel als gewerbliche Einkünfte, zuzüglich Umsatzsteuer
- Kein Mindestlohn, keine Entgeltfortzahlung
- Bei faktischer Weisungsbindung: Risiko der Scheinselbständigkeit
Viele Arbeitgeber übersehen, dass die Abrechnungsregeln des Handelsvertreterrechts über § 65 HGB auch für angestellte Verkäufer gelten, denen Provision für vermittelte oder abgeschlossene Geschäfte zugesagt ist. Nach § 87c HGB muss über die Provision grundsätzlich monatlich abgerechnet werden; der Abrechnungszeitraum kann auf höchstens drei Monate verlängert werden. Die Abrechnung ist unverzüglich, spätestens bis zum Ende des Folgemonats zu erstellen. Der Beschäftigte kann einen Buchauszug über alle provisionspflichtigen Geschäfte und Auskunft verlangen; bei begründeten Zweifeln auch Einsicht in die Geschäftsbücher. Diese Rechte können vertraglich weder ausgeschlossen noch beschränkt werden.
Die Provisionsabrechnung nach HGB und die Lohnabrechnung sind zwei Schritte: Die Provisionsabrechnung ermittelt den Anspruch, die Lohnabrechnung macht daraus Brutto und Netto. Gerade im Handel mit vielen Verkäuferinnen und Verkäufern lohnt ein fester Datenweg vom Warenwirtschafts- oder CRM-System in die Abrechnung – wie wir Handelsunternehmen dabei unterstützen, zeigt unsere Seite Lohnabrechnung im Handel.
Provisionen bei Urlaub und Krankheit
Urlaubsentgelt (§ 11 BUrlG)
Das Urlaubsentgelt bemisst sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn, ohne Überstundenvergütung. Provisionen, mit denen die Arbeit in diesem Zeitraum vergütet wird, gehören dazu. Der Europäische Gerichtshof hat 2014 entschieden, dass das Urlaubsentgelt bei Beschäftigten mit Grundgehalt und Provision nicht auf das Grundgehalt beschränkt sein darf – auch dann nicht, wenn sich der Provisionsausfall erst Monate nach dem Urlaub bemerkbar macht (EuGH, 22.5.2014 – C-539/12, Lock). Wie der Ausgleich genau zu berechnen ist, hat der EuGH den nationalen Gerichten überlassen; diskutiert wird etwa ein Durchschnitt über zwölf Monate. Arbeitgeber sollten die Berechnung im Provisionsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung klar regeln.
Entgeltfortzahlung (§ 4 EFZG)
Im Krankheitsfall gilt das Entgeltausfallprinzip: Fortzuzahlen ist, was der Beschäftigte in seiner regelmäßigen Arbeitszeit verdient hätte. Bei einer Vergütung, die auf das Ergebnis der Arbeit abstellt – wie bei Provisionen –, ist der in der regelmäßigen Arbeitszeit erzielbare Durchschnittsverdienst maßgeblich (§ 4 Abs. 1a EFZG). In der Praxis wird dafür meist ein Durchschnitt vergangener Monate gebildet; Tarifverträge können eine Berechnungsmethode vorgeben. Provisionen aus Geschäften, die vor der Erkrankung abgeschlossen wurden und während der Krankheit fällig werden, sind ohnehin zu zahlen. Mehr zur Bemessung lesen Sie im Beitrag Lohnfortzahlung mit Zuschlägen.
Mindestlohn bei reiner Provisionsvergütung
Eine reine Provisionsvergütung ohne Fixum ist bei Arbeitnehmern zulässig – der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 € je Stunde muss aber trotzdem erreicht werden. Geprüft wird je Kalendermonat: Die im Monat gezahlte Vergütung muss mindestens den tatsächlich geleisteten Stunden × 13,90 € entsprechen (BAG, 5 AZR 135/16). Provisionen, die vorbehaltlos als Gegenleistung für die Arbeit gezahlt werden, zählen dabei mit.
Beispiel: Ein Außendienstmitarbeiter arbeitet im Monat 160 Stunden. Ihm stehen mindestens 160 × 13,90 € = 2.224 € brutto zu. Erreicht die Provision diesen Betrag nicht, muss der Arbeitgeber die Differenz aufstocken – spätestens bis zum letzten Bankarbeitstag des Folgemonats (§ 2 Abs. 1 MiLoG). Ein späterer Provisionsüberschuss gleicht eine Unterschreitung in einem früheren Monat nicht aus. Deshalb arbeiten viele Betriebe mit einem Fixum oder einer garantierten Mindestprovision. Ob ein Provisionsvorschuss den Mindestlohn erfüllt, wenn er später zurückgefordert werden kann, ist nicht abschließend geklärt; sicherer ist ein nicht rückforderbarer Sockelbetrag in Höhe des Mindestlohns. Welche Bußgelder bei Verstößen drohen, zeigt der Beitrag Mindestlohn: wann Bußgelder drohen.
Praxis-Tipp: Legen Sie im Provisionsvertrag fest, wann die Provision entsteht (Vertragsabschluss, Lieferung oder Zahlungseingang), in welchem Rhythmus abgerechnet wird und was bei Stornos gilt. Wählen Sie möglichst eine monatliche Abrechnung – dann bleibt die Provision in Lohnsteuer und Sozialversicherung laufender Lohn, und Sie sparen sich das Aufrollen von Vormonaten. Übergeben Sie der Lohnabrechnung jeden Monat eine Provisionsliste mit Zuordnung zum Erarbeitungsmonat und halten Sie bei reiner Provision die Arbeitszeit fest, damit Sie den Mindestlohn je Stunde nachweisen können.
FAQ zum Versteuern von Provisionen
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