Berufsbedingter Umzug – Kostenübernahme durch den Arbeitgeber?

Liegt ein beruflich veranlasster Umzug vor, kann der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer die Umzugskosten steuerfrei ersetzen – und zwar in der Höhe, die nach dem Bundesumzugskostenrecht gezahlt werden würde. Bei einem berufsbedingten Umzug ins Ausland gelten andere Werte, die in der Verordnung über die Umzugskostenvergütung bei Auslandsumzügen geregelt sind. Im Falle, dass der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer keinen steuerfreien Ersatz bietet, kann der Arbeitnehmer die Aufwendungen für den Umzug als Werbungskosten geltend machen.

Auch wenn der Umzug aus beruflicher Sicht erfolgt, ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, die Kosten dafür zu erstatten. Es besteht also kein Anspruch auf Erstattung von beruflich bedingten Umzugskosten. Allerdings kann es ein gutes Argument sein, um gutes Fachpersonal zu locken.

Wird ein Umzug allerdings vom Arbeitgeber gewünscht, kann der Arbeitnehmer verlangen, dass die Aufwendungen für den Umzug ersetzt werden.

Die Abrechnung kann über steuerliche Pauschalen erfolgen, so dass nicht jede einzelne Ausgabe aufgeführt und belegt werden muss. Welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen und was das Finanzamt in den meisten Fällen anerkennt, erläutern wir in den folgenden Abschnitten.

Berufsbedingter Umzug – Steuererstattung durch den Arbeitgeber

Hat die Verlegung des Wohnsitzes des Arbeitnehmers berufliche Gründe, kann der Arbeitgeber in den folgenden Fällen die Umzugskosten steuerfrei erstatten:

  • Bei Neueinstellung des Arbeitnehmers
  • Bei durch den Arbeitgeber veranlasster Versetzung an einen anderen Ort
  • Bei Einzug in eine Dienstwohnung, da der Arbeitgeber dies fordert
  • Bei Versetzung durch den Arbeitgeber
  • Um eine doppelte Haushaltsführung zu beenden
  • Um die Fahrzeit zur Arbeitsstätte um mindestens eine Stunde zu reduzieren

Im Bundesumzugskostengesetz ist geregelt, welche Kosten durch den Arbeitgeber steuerfrei ersetzt werden können. Dem Arbeitgeber müssen, um den Umzug steuerfrei abrechnen zu können, entsprechende Unterlagen vorliegen, aus denen die Höhe der Aufwendungen ersichtlich ist. Diese Belege muss der Arbeitgeber im Lohnkonto des Mitarbeiters aufbewahren.

Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für den Umzug, darf der Arbeitnehmer diese nicht nochmals als Werbungskosten geltend machen.

Gesetze und Vorschriften

Lohnsteuer: § 3 Nr. 13 bzw. 16 EstG regelt die Steuerfreiheit der Umzugskostenvergütungen durch den Arbeitgeber. Dabei werden die steuerfreien Pauschalvergütungen für die Umzugskosten im BMF-Schreiben vom 21.09.2018, IV C 5 – S 2353/16/10005, BStBl 2108 l S. 1027 geregelt.

Sozialversicherung: Aus § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SvEV ergibt sich die Beitragsfreiheit der Umzugskosten.

Im Arbeitsrecht stellt der § 670 BGB die allgemeine Rechtsgrundlage für die Aufwendungsersatzansprüche klar.

Als Umzugskosten im Sinne des Bundesumzugskostengesetzes gelten:

  • Reisekosten (z.B. auch für Besichtigungen während der Wohnungssuche)
  • Beförderungskosten (z.B. Speditionskosten)
  • Mietentschädigungen (maximal drei Monate, wenn die neue Wohnung noch nicht genutzt werden kann)
  • Anfallende, notwendige ortsübliche Maklergebühren für die Vermittlung der Wohnung
  • Ein Kochherd im Wert von bis zu 230 Euro und Öfen im Wert von bis zu 164 Euro pro Zimmer, wenn diese zum Bezug der neuen Wohnung notwendig sind
  • Eventuell anfallende Kosten für die zusätzlichen Unterricht des Kindes oder der Kinder
  • Sonstige Kosten, wie z.B. Renovierungskosten, Anschlusskosten, Kennzeichenänderung, …

Die Pauschale der Umzugskostenerstattung richtet sich zum einen nach dem Zeitpunkt des Umzugs und nach dem Familienstand. So erhalten beispielsweise Ehepaare, deren Umzug ab März 2020 geplant ist, eine Pauschale in Höhe von 1.639 Euro. Pro Kind liegt die Umzugspauschale bei 361 Euro und entstehen dem Arbeitnehmer Auslagen für einen zusätzlichen Unterricht des Kindes, wird ihm nochmals eine Pauschale in Höhe von 2.066 Euro gewährt.

Wird nicht nach der Pauschale erstattet, sondern nach tatsächlichen Aufwendungen, muss diese Höhe nachgewiesen werden. Allerdings gibt es auch hier Höchstbeträge, welche sich nach dem richten, was ein vergleichbarer Bundesbeamter als Umzugskostenvergütung erhalten würde.

Auslandsumzüge

Steht ein beruflich veranlasster Umzug ins Ausland an, kann der Arbeitgeber die Kosten für den Umzug dem Arbeitnehmer steuerfrei ersetzen. Und zwar in der Höhe, die nach der Auslandsumzugskostenverordnung gezahlt werden kann. In § 18 Auslandsumzugskostenverordnung wird die Umzugspauschale geregelt, wobei die Unterscheidung nach Auslandsumzügen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union unterschieden wird.

Weitere Beiträge

Die Arbeitszeiterfassung – Pflicht für alle Unternehmen

Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 ist es laut § 3 des Arbeitsschutzgesetzes ab sofort für alle Unternehmen Pflicht, die Arbeitszeiten der Mitarbeiter ausnahmslos aufzuzeichnen. Das heißt, Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, die Arbeitszeiten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem Arbeitszeiterfassungssystem zu dokumentieren – das Führen der Stunden in einer Excelliste oder handschriftlichen Liste reicht nicht mehr aus. ... weiterlesen

19. Januar 2023


Wissenswertes zur Home-Office-Pauschale

Home-Office – seit der Coronapandemie eine gängige Lösung, um die Ansteckungsketten zu minimieren. Die Definition des Home-Office lautet: Bei Home-Office handelt es sich um Telearbeit, bei der die Angestellten ihre Arbeit teilweise oder sogar im vollen Umfang von zu Hause aus erledigen.... weiterlesen

10. Januar 2023


Die Künstlersozialversicherung – das sollten Sie wissen

Seit 1983 zieht die Künstlersozialversicherung die gesetzliche Sozialversicherung von Publizisten und selbstständigen Künstlern ein. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich über die Künstlersozialkasse (KSK) zu versichern. ... weiterlesen

17. Dezember 2022


„Minijob“ während der Elternzeit. Das gilt es zu beachten.

Unter dem Begriff des „Minijobs“ verstehen wir zwei Arten der Beschäftigung, einmal die geringfügige Beschäftigung (bis 520,00 € im Monat) und zudem die kurzfristige Beschäftigung.... weiterlesen

28. November 2022


Minijob und Midijob ab Oktober 2022

Der in Deutschland seit 2015 eingeführte gesetzliche flächendeckende Mindestlohn macht zum 01.10.2022 seinen bisher größten Sprung nach oben: von aktuell 10,45 € erhöht er sich dann auf 12,00 € pro Stunde. ... weiterlesen

29. September 2022


Das 9-Euro-Ticket in der Lohn- und Gehaltsabrechnung

Für die Monate Juni, Juli und August hat die Bundesregierung das sogenannte „9-Euro-Ticket“ verabschiedet. Mit diesem Ticket kann jeweils einen Monat lang der bundesweite Nah- und Regionalverkehr genutzt werden.... weiterlesen

30. Mai 2022


LOHNDIREKT

Wir machen es einfach.

Unser Angebot spricht Sie an und Sie möchten eine individuelle Beratung erhalten?
Kontaktieren Sie uns jetzt einfach!

Melden Sie sich jetzt:

0461 / 70 71 555 info@lohndirekt.de

Mo.-Fr. 8-16 Uhr

Oder nutzen Sie unseren komfortablen Rückruf-Service

    Unser Rückruf erfolgt während der Geschäftszeiten i.d.R. binnen 20 Minuten.

    LOHNDIREKT

    Wir haben Sie schon überzeugt?

    Fordern Sie jetzt kostenlos Ihr persönliches Angebot (ab 10 Mitarbeitern) an!


      Wir freuen uns auf Ihre Anfrage

      Rufen Sie uns an: 0461 / 70 71 555 Mo.-Fr. 8-16 Uhr