Eine medizinische Reha dauert meist drei Wochen oder länger. Für Arbeitgeber stellt sich dann die Frage: Muss ich das Gehalt weiterzahlen – und wenn ja, wie lange? Wann springen Krankenkasse, Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft ein? Wir erklären, wie die Entgeltfortzahlung bei einer Reha funktioniert, welche Leistungen danach greifen und was in der Lohnabrechnung zu beachten ist.
Das Wichtigste in Kürze Stand: Oktober 2026
- Eine bewilligte Reha wird wie eine Arbeitsunfähigkeit behandelt: Der Arbeitgeber zahlt das Entgelt bis zu sechs Wochen fort (§ 9 EFZG).
- Das gilt für stationäre und ambulante Maßnahmen, wenn ein Sozialversicherungsträger sie bewilligt hat.
- Vorerkrankungszeiten wegen derselben Krankheit werden auf die sechs Wochen angerechnet.
- Danach zahlt je nach Reha-Träger die Krankenkasse Krankengeld, die Rentenversicherung Übergangsgeld oder die Unfallversicherung Verletztengeld.
- Reha-Tage dürfen nicht auf den Urlaub angerechnet werden.
Wann besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung?
Nach § 9 EFZG gelten für Maßnahmen der medizinischen Vorsorge und Rehabilitation dieselben Regeln wie bei Krankheit. Voraussetzungen sind:
- Die Maßnahme wurde von einem Sozialleistungsträger bewilligt – etwa von der Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung.
- Sie wird in einer Einrichtung der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation durchgeführt – stationär oder ambulant.
- Das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens vier Wochen (Wartezeit nach § 3 Abs. 3 EFZG).
Unter § 9 EFZG fallen auch Mutter-Kind- und Vater-Kind-Maßnahmen. Für privat versicherte Beschäftigte genügt statt der Bewilligung eine ärztliche Verordnung, wenn die Maßnahme in einer entsprechenden Einrichtung stattfindet.
Mitteilungspflicht des Beschäftigten
Der Beschäftigte muss dem Arbeitgeber den Beginn, die voraussichtliche Dauer und eine Verlängerung der Maßnahme unverzüglich mitteilen und eine Bescheinigung über die Bewilligung vorlegen (§ 9 Abs. 2 EFZG). Erst dann ist der Arbeitgeber zur Entgeltfortzahlung verpflichtet.
Wie lange zahlt der Arbeitgeber?
Der Anspruch besteht für bis zu sechs Wochen. Entscheidend ist, ob die Reha auf eine Krankheit zurückgeht, wegen der der Beschäftigte schon vorher arbeitsunfähig war:
- Neue Erkrankung oder Vorsorge: Der Arbeitgeber zahlt die vollen sechs Wochen.
- Dieselbe Erkrankung (Fortsetzungserkrankung): Vorherige Arbeitsunfähigkeitszeiten werden angerechnet. Ein neuer Anspruch entsteht erst, wenn der Beschäftigte wegen dieser Krankheit mindestens sechs Monate nicht arbeitsunfähig war oder seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit zwölf Monate vergangen sind.
Typischer Fall ist die Anschlussheilbehandlung nach einem Krankenhausaufenthalt: Sie gehört in der Regel zur selben Erkrankung, sodass die Zeit im Krankenhaus bereits auf die sechs Wochen angerechnet wird. Mehr zur Prüfung von Vorerkrankungen lesen Sie in unserem Beitrag Entgeltfortzahlung bei Vorerkrankungen.
Praxis-Tipp: Bei Zweifeln, ob eine Fortsetzungserkrankung vorliegt, können Arbeitgeber bei der Krankenkasse eine Vorerkrankungsanfrage stellen – seit Einführung der eAU auch elektronisch über das Entgeltabrechnungsprogramm.
Wer zahlt nach der Entgeltfortzahlung?
Endet die Entgeltfortzahlung oder ist sie bereits ausgeschöpft, zahlt ein Sozialleistungsträger eine Entgeltersatzleistung. Welche das ist, hängt davon ab, wer die Reha bewilligt hat:
Beim Übergangsgeld beträgt die Berechnungsgrundlage 80 % des letzten regelmäßigen Bruttoentgelts, höchstens jedoch das Nettoentgelt. Den erhöhten Satz von 75 % erhalten Versicherte mit mindestens einem Kind, für das Anspruch auf Kindergeld besteht, oder wenn sie einen pflegebedürftigen Partner versorgen.
Krankengeld zahlt die Krankenkasse wegen derselben Krankheit für höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren – die Zeit der Entgeltfortzahlung wird darauf angerechnet. Bei Verletztengeld zahlt in der Praxis häufig die Krankenkasse im Auftrag der Berufsgenossenschaft aus.
Auch bei einer beruflichen Reha (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, etwa Umschulungen) zahlt der zuständige Träger Übergangsgeld; zusätzlich können Kosten zum Beispiel für Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung übernommen werden.
Das ist in der Lohnabrechnung zu beachten
Entgelt fortzahlen
Während der sechs Wochen wird das Entgelt nach dem Entgeltausfallprinzip weitergezahlt – inklusive regelmäßiger Zuschläge. Für Arbeitgeber mit bis zu 30 Beschäftigten erstattet die Krankenkasse über die U1-Umlage einen Teil der Kosten.
Entgeltbescheinigung senden
Für die Berechnung von Krankengeld, Übergangsgeld oder Verletztengeld übermittelt der Arbeitgeber die Entgeltbescheinigung elektronisch an den Leistungsträger (Verfahren EEL).
Unterbrechung melden
Dauert der Bezug der Entgeltersatzleistung mindestens einen vollen Kalendermonat, wird eine Unterbrechungsmeldung mit Meldegrund 51 abgegeben.
Nur bei mindestens einem vollen Kalendermonat
Zuschüsse prüfen
Zahlt der Arbeitgeber freiwillig oder tariflich einen Zuschuss zum Krankengeld oder Übergangsgeld, bleibt dieser beitragsfrei, soweit er zusammen mit der Leistung das Nettoentgelt um nicht mehr als 50 € übersteigt.
Krankengeld, Übergangsgeld und Verletztengeld sind steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt. Die Leistungsträger melden die Beträge selbst elektronisch an das Finanzamt. Details zu den Meldungen finden Sie in unseren Beiträgen zu Krankengeld und Meldungen und zur Unterbrechung der Beschäftigung.
Reha und Urlaub
Reha-Maßnahmen dürfen nicht auf den Erholungsurlaub angerechnet werden, soweit ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht (§ 10 BUrlG). Der Urlaubsanspruch bleibt also vollständig erhalten. Im Anschluss an eine Reha haben Beschäftigte auf Wunsch Anspruch darauf, Urlaub zu nehmen – der Arbeitgeber muss diesem Wunsch grundsätzlich entsprechen.
Nach der Reha: stufenweise Wiedereingliederung
Häufig empfiehlt die Reha-Einrichtung eine stufenweise Wiedereingliederung („Hamburger Modell“). Der Beschäftigte gilt dabei weiterhin als arbeitsunfähig; statt Entgelt erhält er in der Regel weiter Krankengeld oder Übergangsgeld. Mehr dazu in unserem Beitrag Wiedereingliederung – was ist zu beachten?
Checkliste für Arbeitgeber
- Bewilligungsbescheid des Sozialleistungsträgers liegt vor?
- Wartezeit von vier Wochen erfüllt?
- Vorerkrankungen wegen derselben Krankheit geprüft – ggf. Vorerkrankungsanfrage an die Krankenkasse?
- Entgelt für bis zu sechs Wochen inklusive regelmäßiger Zuschläge fortgezahlt?
- Bei U1-Teilnahme: Erstattungsantrag gestellt?
- Entgeltbescheinigung (EEL) an den Leistungsträger übermittelt?
- Unterbrechungsmeldung bei mindestens einem vollen Kalendermonat Leistungsbezug?
- Reha-Tage nicht vom Urlaub abgezogen?
FAQ zur Entgeltfortzahlung bei Reha
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