Familienpflegezeit: die wichtigsten Punkte für Arbeitgeber auf einen Blick

Laut dem statischen Bundesamt leben in Deutschland momentan 2,5 Millionen Pflegebedürftige. Eine Zahl, die angesichts des demographischen Wandels witer steigen wird. 70 Prozent aller Personen, die Ihren Lebensalltag nicht alleine bewältigen, erhalten Pflege im häuslichen Umfeld bei Ihren Familien.

Mit der Einführung der Familienpflegezeit versucht die bundesdeutsche Regierung ein Konzept in die Arbeitswelt zu integrieren, welches die eigene Berufstätigkeit und Pflegeverantwortung gegenüber Angehörigen besser miteinander verbinden soll. Doch dies kann nur in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern erfolgen. Nicht nur für die Arbeitnehmer bedeutet eine familiäre Pflegesituation ein hohes Maß an zusätzlicher Organisation. Auch Unternehmen müssen hinsichtlich der Familienpflegezeit in Organisations- oder weiteren Personalaufwand investieren.

Obwohl das Thema der familiären Pflegeverantwortung bis vor wenigen Jahren bei vielen Arbeitgebern als reine Privatangelegenheit Ihrer Arbeitnehmer galt, steigt die Unterstützungsbereitschaft. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in familiär anspruchsvollen Zeiten, wie Kinder-, Kranken- und Altenpflege, unterstützen, steigern nachweislich das Wohlbefinden und die Bindung ihrer Belegschaft. Zudem kann eine kluge Umsetzung der Familienpflegezeit und eine flexiblere Arbeitsorganisation langfristig die Motivation und Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern erhalten bzw. trotz einer Pflegesituation sogar steigern.

Die zwejährige Familienpflegezeit: Rahmenbedingungen und Organisationsfragen

Die 2012 in Kraft getretene Regelung der Familienpflegzeit sieht vor, dass Arbeitnehmer:

  • für maximal 2 Jahre
  • Ihre Arbeitszeit auf 15 Stunden pro Woche
  • ohne kompletten Verdienstausfall reduzieren können.

Die Hälfte des Verdienstausfalls, der durch eine reduzierte Stundenzahl entsteht, wird zunächst über das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) aufgefangen. Hierfür stellt es dem Arbeitgeber ein entsprechendes zinsloses Darlehen zur Verfügung, welches mit Beendigung der jeweiligen Pflegezeit wieder zurückgezahlt werden muss.

Mit Ende der Pflegzeit muss der Arbeitnehmer die angesichts der reduzierten Stundenzahl zu hoch gezahlten Gehaltsbeträge wieder an den Arbeitgeber zurückführen. Dies geschieht über eine Reduzierung der Gehaltsauszahlung für den Zeitraum, der dem der genommenen Familienpflegezeit entspricht. Damit die Lohnrückzahlungsphase für Arbeitnehmer ohne Zahlungsausfall erfolgen kann, müssen Arbeitnehmer mit Beantragung der Familienpflegezeit eine entsprechende Zahlungsausfallversicherung abschließen und deren Kosten auch tragen.

Die vorübergehende Belastung des Arbeitgebers besteht in der Familienpflegezeit somit nicht im finanziellen Rahmen, sondern vielmehr führt der Verzicht auf die volle Arbeitskraft in kleinen Unternehmen oft zu Schwierigkeiten. Aus diesem Grund können alternative Arbeitszeitmodelle oder Aufgabengestaltungen ein passenderer Weg sein, um die Familienpflegezeit zu umgehen oder hinsichtlich des Arbeitszeit- bzw. Verdienstausfalls zu minimieren.

Kein unmittelbarer Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit

Bei der Familienpflegezeit handelt es sich um ein staatlich gefördertes Modell, um die Vereinbarung von Beruf und Pflege naher Angehöriger ausreichend miteinander verbinden zu können. Ein konkretes Recht auf die Inanspruchnahme einer Familienpflegezeit besteht für Arbeitnehmer nicht. Kommt es zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur Vereinbarung einer Familienpflegezeit, besteht allerdings auch ein besonderer Kündigungsschutz (sowohl während der Pflege als auch der Rückzahlungsphase).

Ein Rechenbeispiel

Nimmt ein Mitarbeiter die Familienpflegezeit in Anspruch und möchte nur 20 anstatt 40 Stunden die Woche arbeiten, so:

  • hat er während der Pflegezeit eine Arbeitszeit von 50 Prozent und
  • erhält 75 Prozent seines Gehaltes trotz halber Arbeitszeit,
  • da der Verdienstausfall über das zinsfreie BAFza-Darlehen zu 25 Prozent übernommen wird,

Antragstellung zur Auszahlung des BAFza-Darlehens

Die anteilige Übernahme des Verdienstausfalls über das BAFza-Darlehen muss beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden. Dafür sind folgende Unterlagen notwendig:

  • die vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber schriftlich festgehaltene Vereinbarung zur Inanspruchnahme der Familienpflegezeit,
  • Unterlagen, die belegen, dass ein naher Angehöriger pflegebedürftig ist,
  • Kopie der Gehaltsabrechnungen, die in den letzten 12 Monaten ausgestellt wurden,
  • Versicherungsbescheinigung für die Absicherung des Arbeitnehmers bei Zahlungsausfall in der Rückzahlungsphase.

Zusammenfassend: die Phasen der Familienpflegezeit in der Übersicht

Einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die individuell zu gestaltende Organisation einer Familienpflegezeit, sind folgende Schritte zu beachten:

  1. das Aufstellen einer Familienpflegezeitvereinbarung mit einer Reduzierung der Stundenzahl auf bis zu 15 Stunden pro Woche in maximal zwei Jahren,
  2. das Abschließen einer Versicherung durch den Arbeitnehmer zur Rückzahlungsgewährleistung in der Nachpflegephase
  3. die Beantragung, Auszahlung (Beginn der Familienpflegezeit) und Rückzahlung (Ende der Familienpflegezeit) des zinsfreien BAFzA-Darlehens durch den Arbeitgeber
  4. die Gehaltsrückzahlung durch eine entsprechende Lohnminderung in der Nachpflegephase

Sofern es im Interesse aller Beteiligten liegt, können die getroffenen Vereinbarungen zur Familienpflegezeit der jeweiligen Pflegesituation angepasst werden. Mehr Informationen zur Organisation der Familienpflegezeit stellt das Bundesfamilienministerium in einer ausführlichen Broschüre zur Verfügung.