Mindestlohn steigt 2020 auf 9,35 Euro


Mindestlohn steigt 2020 auf 9,35 Euro

Bis 2020 soll der Mindestlohn in Deutschland auf 9,35 Euro steigen – dies hat die Mindestlohnkommission vor kurzem festgesetzt. Dabei soll der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn erst einmal 2019 von derzeit 8,84 Euro auf 9,19 Euro steigen.

Vor drei Jahren wurde der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland eingeführt. Jetzt wird er zum zweiten Male erhöht, um dann im folgenden Jahr auf 9,35 Euro zu steigen. Die zuständige Kommission aus Vertretern von Gewerkschaften, Arbeitgebern und der Wissenschaft hat einstimmig beschlossen, dass ab Januar 2019 der Mindestlohn auf 9,19 Euro pro Stunde und ein Jahr später auf 9,35 Euro pro Stunde angehoben wird.

Als Orientierungsgrundlage der unabhängigen Kommission dient die Entwicklung der Tariflöhne, wobei es bei der Berechnung einen gewissen Spielraum gibt, was alles in die Berechnung einbezogen werden darf. Deshalb wurde diese Entscheidung nach Aussage des DIW-Präsidenten Marcel Fratzscher sozusagen mit Spannung erwartet.

Der gesetzliche Mindestlohn 2019

Die Entscheidung der Kommission soll frei von politischen Einflüssen gefällt werden und sieht vor, dass alle zwei Jahre die Höhe des Mindestlohns neu festgelegt wird. Neben dem Vorsitzenden gehören jeweils 3 Vertreter der Gewerkschaften und Arbeitgeber und zwei beratend tätige Wissenschaftler dem Gremium an.

Bereits im Jahr 2017 wurde der Mindestlohn von 8,50 Euro auf 8,84 Euro pro Stunde angehoben. Außerdem gibt es Mindestlöhne, die über der Untergrenze liegen.

Der gesetzliche Mindestlohn orientiert sich am Tariflohn und den letzten Tarifabschlüssen. Das heißt, der Mindestlohn von 9,19 Euro in der ersten Anhebungsstufe entspricht dem Betrag, der sich aus dem Tariflohn-Index des Statistischen Bundesamtes für die Jahre 2016 und 2017 errechnet. Bei der zweiten Anhebungsstufe für das Jahr 2019 wurden noch die Tarifabschlüsse aus dem ersten Halbjahr 2018 berücksichtigt – und zwar die Tarifabschlüsse in der Elektro- und Metallindustrie und im Öffentlichen Dienst. Allerdings soll dieser bei der nächsten Berechnung der Anhebung für 2020 wieder herausgerechnet werden. Für die Folgeberechnung wird deshalb der Betrag von 9,29 Euro als Ausgangswert dienen.

Die Arbeitgeber und der DGB sind mit dem Mindestlohn ab 2019 zufrieden. Denn die Anhebung des Mindestlohns käme den hart arbeitenden Menschen zugute und außerdem würde dadurch der Binnenkonsum gestützt werden.

Der gesetzliche Mindestlohn ist für alle volljährigen Arbeitnehmer gültig.

Ausnahme:

Langzeitarbeitslose nach der Aufnahme einer Arbeit innerhalb der ersten sechs Monate. Bei Pflichtpraktika oder Praktika mit einer Laufzeit unter drei Monaten und Azubis gilt der gesetzliche Mindestlohn ebenfalls nicht.

Während die Arbeitgeber und die Gewerkschaften über die Anhebung des Mindestlohns zufrieden sind, kritisieren die Sozialverbände die Anhebung als unzureichend. Um die Armut wirksam bekämpfen zu können, müsse der Mindestlohn bei über 12 Euro liegen – so der Sozialverband VdK. Und auch der Linke-Fraktionschef fand die Anhebung als „kläglich“, mit dem Hinweis, dass es bereits heute eine Million der so genannten „Aufstocker“ gäbe, deren Lohn nicht zum Leben ausreichen würde.

Mehr Kontrollen im Bezug auf den Mindestlohn

Gerade Frauen würden von der Erhöhung des Mindestlohns profitieren, so der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Auch Menschen ohne Berufsausbildung, Arbeitnehmer in Ostdeutschland bekämen normalerweise nur niedrige Löhne und durch den Mindestlohn würden auch diese Arbeitnehmer profitieren.

Für Verbraucher kann die Anhebung des Mindestlohns zur Folge haben, dass die Unternehmen die Preise anheben werden – beispielsweise in der Gastronomie oder beim Friseur.

Es werde auf jeden Fall schärfere Kontrollen im Bezug auf die Einhaltung der Mindestlöhne geben.

Wie viele Menschen letztendlich von der Erhöhung des Mindestlohns profitieren, ist nicht so einfach zu sagen. Letztes Jahr wurden knapp 1,4 Millionen Jobs mit dem Mindestlohn vergütet, so das Statistische Bundesamt. Im Jahr zuvor waren es 400.000 weniger.

Allerdings gäbe es eine nicht erhebliche Anzahl an Beschäftigten, die weiterhin unter Mindestlohn verdienen, so der Kommissionsvorsitzende Jan Zilius. Studien zufolge liege diese Zahl zwischen 750.000 und 1,8 Millionen Beschäftigten. Und um dies zu ändern, sind verstärkte Kontrollen durch den Zoll notwendig.