Ursachen für die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern

Dass es in Deutschland eklatante Gehaltsdefizite bei den Frauen gibt, ist kein großes Geheimnis. Durchschnittlich erhalten Männer 22 Prozent mehr Gehalt als Frauen – damit gehört Deutschland mit zu den Spitzenreitern, wenn es um die Differenz zwischen den Gehältern geht. Zum Vergleich: In Slowenien verdienen die Frauen nur 3,2 Prozent weniger als die Männer, in Polen sind es 6,4 Prozent.

Ursachen für den geringeren Verdienst

Es gibt einige Ursachen für diese große Differenz, die auf der Hand liegen:

  • Frauen arbeiten vergleichsweise seltener in hoch dotierten Führungspositionen.
  • Viele typische Frauenberufe sind im Niedriglohnsektor angesiedelt (z. B. Altenpflege, Friseurin, Verkäuferin, Arzthelferin, Reinigung)
  • Viele Frauen pausieren für die Familie, oftmals über viele Jahre hinweg, während der Mann beruflich keine Unterbrechungen hinnehmen muss.
  • Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, weil sie im Gegensatz zu den meisten Männern neben dem Beruf Kinder erziehen und betreuen und sich um den Haushalt kümmern.

Im Charakter begründete Ursachen

Abgesehen von diesen Tatsachen gibt es weitere Ursachen, die in der Weltanschauung, Erziehung und im Charakter von Frauen und Männern verankert sind. So empfinden tatsächlich viele Vorgesetzte die Arbeit von Männern als wertvoller, weshalb sie sie höher vergüten, selbst wenn beide dieselbe Qualifikation aufweisen. Frauen haben zudem schlechtere Weiterbildungschancen, weil die Kosten bei ihnen seltener als bei Männern vom Arbeitgeber übernommen werden.

Vielen Frauen macht auch ihre Erziehung einen Strich durch die Rechnung. Sie wurden zur Bescheidenheit erzogen. Erhebungen zeigen, dass sie von vornherein bereits weniger Gehalt fordern als Männer und oftmals auch nicht in der Lage sind, ihrer Forderung den notwendigen Nachdruck zu verleihen. Die Folge: Ihrem Wunsch wird nicht oder nur teilweise entsprochen. Erschwerend kommt hinzu, dass mehr als zwei Drittel der berufstätigen Frauen keinen Wunsch nach einer richtigen Karriere haben und ihre Karrieregrenzen akzeptieren, ohne diese zu hinterfragen.

Entgeltgleichheitsgesetz: Ist das die Lösung?

Familienministerin Manuela Schwesig hat sich auf ihre Fahnen geschrieben, der Lohnungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern den Garaus zu machen. Ihr Ziel ist, dass beide Geschlechter dasselbe verdienen, wenn sie mit derselben Qualifikation und dem gleichen Alter der gleichen Tätigkeit nachgehen. Zu diesem Zweck will sie noch im laufenden Jahr einen Entwurf für ein Entgeltgleichheitsgesetz vorlegen. Dieses soll regeln, dass ein Auskunftsrecht der Arbeitnehmer über die Kriterien besteht, die bei der Einstufung von Männern und Frauen mit der gleichen Qualifikation und Tätigkeit herangezogen werden. Ob dieses Gesetz trotz des massiven Widerstands aus den Reihen der Politiker sowie der Wirtschaft tatsächlich verabschiedet werden wird, ist derzeit noch Zukunftsmusik.