Ferienjobber und die Arbeitsrechtlichen Besonderheiten

Artikel aktualisiert am 20.03.2024

 

Während der Urlaubszeit beschäftigen viele Unternehmen die so genannten „Ferienjobber“, um die Urlaubszeit der Beschäftigten zu überbrücken. Vor allem Schüler und Studenten bewerben sich für diese Art der Jobs, um ihre eigene Ferien- oder Semesterpause zu überbrücken und sich einige Euro zu verdienen. Dabei handelt es sich bei dieser Beschäftigung um eine kurzfristige Beschäftigung, bei der gewisse arbeitsrechtliche Besonderheiten zu beachten sind.

 

Ein Mitarbeiter unterschreibt

 

Während die Mitarbeiter sich in den wohlverdienten Urlaub verabschieden, bedeutet dies für den Arbeitgeber, dass er schauen muss, dass beispielsweise seine Produktion weiterläuft. Um diesen personellen Engpass zu überbrücken, stellen viele Unternehmen die Ferienjobber ein.

In großen und namhaften Firmen sind Jahr für Jahr Tausende Ferienjobber beschäftigt, um die personellen Engpässe in der Urlaubszeit zu überbrücken.

 

Ferienjobber – die Arbeitnehmer auf Zeit

Werden Schüler und Studenten für einen gewissen Zeitraum in den Ferien oder als Aushilfe beschäftigt, handelt es sich um ein befristetes Arbeitsverhältnis. Das heißt, nach Ablauf der vereinbarten Zeit endet das Arbeitsverhältnis – eine Kündigung ist nicht notwendig. Während des befristeten Arbeitsverhältnisses gibt es kaum Unterschiede zu anderen Beschäftigungsverhältnissen. Aus Sicht des Arbeitsrechts handelt es sich bei den Aushilfen grundsätzlich um echte Arbeitnehmer. Somit gelten für sie die gleichen arbeitsrechtlichen Bestimmungen wie für andere Beschäftigte. Das heißt, auch Schüler und Studenten, die in den Ferien jobben, können die Entgeltfortzahlung in Anspruch nehmen. Denn: aus Arbeitsverhältnissen, die mindestens einen vollen Monat bestehen, resultiert Anspruch auf Urlaub – und zwar nach dem Zwölftelungsprinzip.

 

Mindestlohn auch für Ferienjobber

Prinzipiell gilt der 2015 eingeführte Mindestlohn auch für Ferienjobber – allerdings nur für die volljährigen Ferienjobber. Für Ferienjobber unter 18 gibt es keinen Mindestlohn.

 

Ferienjob für unter 18-Jährige – Jugendarbeitsschutz beachten

Für Ferienjobber unter 18 Jahren gibt es Besonderheiten in Bezug auf die Arbeitszeit und die möglichen Tätigkeiten. Die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) geben eine Unterscheidung zwischen der Beschäftigung von Kindern und der von Jugendlichen vor. Demnach müssen die Schüler in drei Altersgruppen aufgeteilt werden:

  • Kinder bis 13 Jahre

  • Kinder von 13 bis 15 Jahren und

  • Jugendliche von 15 bis 18 Jahren.

 

Kinderarbeit ist verboten

Grundsätzlich dürfen nach § 5 Abs. 1 JArbSchG Kinder nicht beschäftigt werden. Nach dem Gesetz ist noch Kind, wer noch keine 15 Jahre alt ist. Für die zweite Gruppierung, die Kinder zwischen 13 und 15 Jahren, gibt es von Seiten des Gesetzes unter strengen Voraussetzungen auch einige Ausnahmen (§ 5 Abs. 3 JArbSchG). Diese Ausnahmen sind:

  • die Sorgeberechtigten stimmen der Arbeit zu

  • die Arbeit ist für Kinder geeignet

  • täglich nicht länger als 2 Stunden (in der Landwirtschaft 3 Stunden)

  • dass das Kind nicht vor oder sogar während des Schulunterrichts arbeitet und

  • dass das Kind nicht zwischen 18 Uhr am Abend und 8 Uhr am Morgen arbeitet.

 

Jugendliche Ferienjobber – verstärkter Arbeitsschutz

Jugendliche können im Unternehmen mit mehr Freiheiten beschäftigt werden – wobei Vollzeitschulpflichtige für zumindest 4 Wochen arbeiten dürfen. Jedoch gibt es im Vergleich zu den volljährigen Beschäftigten einige Einschränkungen. So darf die Arbeitszeit der Jugendlichen täglich maximal 8 Stunden betragen und muss wöchentlich auf 40 Stunden begrenzt sein. Dabei darf diese Höchstarbeitszeit nicht regelmäßig überschritten werden. Grundsätzlich dürfen Jugendliche zwischen 20 Uhr und 6 Uhr nicht arbeiten und auch das Arbeiten am Wochenende ist für die Jugendlichen tabu. Allerdings gibt es von Seiten des Gesetzes in einigen Branchen Ausnahmen in puncto Arbeitszeiten.

Nicht volljährige Ferienjobber – das ist für sie tabu

Das Jugendarbeitsschutzgesetz schließt für nicht volljährige Ferienjobber spezielle Tätigkeiten aus. So dürfen Arbeitgeber die jugendlichen Beschäftigten nicht mit gefährlichen Arbeiten beauftragen (§ 22 JArbSchG). Darunter fallen beispielsweise die folgenden Tätigkeiten:

  • solche, die die psychische oder physische Leistungsfähigkeit übersteigen

  • bei denen die Jugendlichen mit sittlichen Gefahren konfrontiert werden

  • die mit Unfallgefahren einhergehen können. Hier müssen Arbeitgeber davon ausgehen, dass die Jugendlichen mangels Sicherheitsbewusstseins oder aufgrund mangelnder Erfahrung die Gefahr nicht erkennen und abwenden können.

  • Arbeiten, bei denen die Gesundheit durch Hitze, Kälte oder starke Nässe gefährdet wird

  • Arbeiten, bei denen die Jugendlichen mit Lärm, Strahlen oder Erschütterungen ausgesetzt sind

  • Arbeiten, bei denen die Jugendlichen Gefahrstoffen ausgesetzt sind.

Außerdem ist für die nicht volljährigen Freizeitjobber Akkordarbeit (§ 23 JArbSchG) oder Beschäftigungen unter Tage (§ 24 JArbSchG) grundsätzlich verboten.

Weitere Beiträge

Höhere Pfändungsfreigrenzen ab Juli 2023

Höhere Pfändungsfreigrenzen ab Juli 2024

Durch die Pfändungsfreigrenzen soll sichergestellt werden, dass der Schuldner bei einer Pfändung des Arbeitseinkommens seinen gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen nachkommen und über das Existenzminimum verfügen kann. Bei einem Arbeitseinkommen, welches den Grundfreibetrag übersteigt, steht dem Schuldner ein Teil seines Mehrverdienstes zu. ... weiterlesen

22. Mai 2024


Lohnabzüge verstehen

Verständliche Erklärung von Lohnabzügen

In der Welt der Arbeitsverhältnisse sind Lohnabzüge ein zentraler Bestandteil, der oft Fragen und manchmal auch Verwirrung aufwirft. Egal ob man gerade in das Berufsleben einsteigt oder schon lange dabei ist, ein klares Verständnis der verschiedenen Abzüge vom Bruttogehalt ist essentiell. Dieser Artikel soll Licht ins Dunkel bringen und auf verständliche Weise erklären, was es mit den verschiedenen Arten von Lohnabzügen auf sich hat. Von Steuern über Sozialversicherungsbeiträge bis hin zu betrieblichen Vorsorgeleistungen – wir decken alles ab, was man wissen muss.... weiterlesen

3. Mai 2024


Ausschluss im Arbeitsvertrag

Wirksamkeit von Ausschlüssen im Arbeitsvertrag: Der Konflikt zwischen Lohnabtretung und Pfändung

Die Lohnabtretung bezeichnet die Übertragung von Forderungen eines Arbeitnehmers (Zedenten) an einen neuen Gläubiger (Zessionar) durch einen vertraglichen Akt, wodurch ein Gläubigerwechsel stattfindet. Die rechtlichen Grundlagen hierfür sind in den §§ 398 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verankert. Häufig werden bei Verbraucherkrediten Lohnabtretungen von Banken oder anderen Gläubigern vereinbart. ... weiterlesen

2. Mai 2024


Verzinsung und Erstattung von Pflegeversicherungsbeiträgen: Rundschreiben und neues digitales Verfahren ab Juli 2025

Verzinsung & Erstattung von Pflegeversicherungs­beiträgen 2025

Das am 27. März 2024 verkündete "Gesetz zur Stärkung von Wachstumschancen, Investitionen und Innovation sowie Steuervereinfachung und Steuerfairness" (Wachstumschancengesetz) beinhaltet wichtige Regelungen zur Pflegeversicherung. ... weiterlesen

23. April 2024


Nachträglicher Wechsel der pauschalen Bewertungsmethode

Nachträglicher Wechsel der pauschalen Bewertungsmethode

Viele Unternehmen stellen ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen Dienstwagen zur Verfügung – vor allem dann, wenn diese viel für das Unternehmen unterwegs sind. In den meisten Fällen überlasst der Arbeitgeber seinen Mitarbeitenden auch das Fahrzeug, um zum einen die Fahrten zwischen der Wohnung und der Tätigkeitsstätte zurück zu legen und zum anderen das Fahrzeug privat zu nutzen. ... weiterlesen

1. April 2024


Pfändung_und_Arbeitgeberdarlehen

Zusammentreffen von Pfändungs- und Überweisungsbeschluss und Darlehen

Beim Umgang mit einem Arbeitgeberdarlehen (AG-Darlehen) entstehen spezielle Herausforderungen, wenn gleichzeitig ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (PfÜb) gegen den darlehensnehmenden Arbeitnehmer vorliegt. Die Situation ändert sich entscheidend, je nachdem, ob der PfÜb vor oder nach der Darlehensvergabe an den Arbeitnehmer zugestellt wird.... weiterlesen

27. März 2024


LOHNDIREKT

Wir machen es einfach.

Unser Angebot spricht Sie an und Sie möchten eine individuelle Beratung erhalten?
Kontaktieren Sie uns jetzt einfach!

Melden Sie sich jetzt:

0461 / 70 71 555 info@lohndirekt.de

Mo.-Do. 9-15 Uhr, Fr. 9-13 Uhr

Oder nutzen Sie unseren komfortablen Rückruf-Service

    Unser Rückruf erfolgt während der Geschäftszeiten i.d.R. binnen 20 Minuten.

    LOHNDIREKT

    Wir haben Sie schon überzeugt?

    Fordern Sie jetzt kostenlos Ihr persönliches Angebot (ab 10 Mitarbeitern) an!


      Wir freuen uns auf Ihre Anfrage

      Rufen Sie uns an: 0461 / 70 71 555 Mo.-Do. 9-15 Uhr, Fr. 9-13 Uhr