Pauschale Besteuerung von Sachzuwendungen

Artikel aktualisiert am 08.05.2024

 

Die pauschale Besteuerung von Sachzuwendungen erhält mit dem § 37 EStG eine Pauschalisierungsmöglichkeit, die das Besteuerungsverfahren vereinfacht.

 
Eine Person schaut auf Ihre Armbanduhr
 

Dieser Paragraph ermöglicht es dem zuwendenden Steuerpflichtigen, die Einkommen- beziehungsweise Lohnsteuer in Bezug auf Sachzuwendungen für Arbeitnehmer und auch Nichtarbeitnehmer mit einer Pauschale von 30 % zu erheben. Mit dieser pauschalen Steuer wird die steuerliche Erfassung des so genannten „geldwerten Vorteils“ bei dem Empfänger der Zuwendung abgegolten. Die Steuer wird vom Zuwendenden übernommen, der Zahlungsempfänger wird darüber unterrichtet. Allerdings ist diese Möglichkeit der pauschalen Besteuerung nur auf Geschenke und betriebliche Sachzuwendungen beschränkt. Erhalten Privatkunden oder Steuerausländer solche Zuwendungen, werden diese nicht in die Bemessungsgrundlage einbezogen.

 

Auf einen Blick – Lohnsteuer, Sozialversicherung und Pauschalierung

  • Lohnsteuer

    • Pauschalierung erfolgt unabhängig von der Rechtsform oder

    • anhand des einheitlichen Pauschalierungswahlrechts

  • Sozialversicherung

Bei Sachzuwendungen ist der § 37b EStG für die Pauschalierung der Einkommensteuer die Rechtsgrundlage. Einzelheiten gehen aus dem BMF-Schreiben vom 19.05.2015, IV C 6 – S 2297-b/14/10001, BStBl 2015 I S. 468 hervor.

In der Sozialversicherung erfolgt die beitragsrechtliche Behandlung der pauschal versteuerten Sachzuwendungen in § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 14 SvEV i.V.m. § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV.

 

Ein kurzer Überblick:

Entgelt

Lohnsteuer

Sozialversiche­rung

Sachgeschenke an eigene oder fremde Arbeitnehmer

Pflichtig

Pflichtig

Sachzuwendungen nach § 37 b EStG mit pauschaler Versteuerung an Mitarbeiter des Unternehmens

Pflichtig

Pflichtig

Sachgeschenke an Geschäftspartner, Kunden, Fremde

Pflichtig

Frei

 

Die Lohnsteuer bei Pauschalierung, unabhängig von der Rechtsform

Alle Steuerpflichtigen, das heißt, Personengesellschaften, natürliche Personen, Betriebe gewerblicher Art oder Kapitalgesellschaften können die Pauschalierung durchführen. Vorgenommen wird sie vom Zuwendenden.

Auf Antrag besteht auch für ausländische Betriebsstätten inländischer Unternehmen, die nach den Grundsätzen des so genannten Doppelbesteuerungsabkommens in ertragssteuerlicher Hinsicht nicht der deutschen Steuerhoheit unterliegen, die Möglichkeit, Sachzuwendungen an Mitarbeiter und Geschäftsfreunde im Inland zu pauschalieren.

Bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts ist es so, dass sie mit dem hoheitlichen Bereich als auch mit dem Vermögensverwaltungs-Bereich und den einzelnen Betrieben in gewerblicher Art im Sinne des § 37b EStG Zuwendender.

Aufmerksamkeiten, die der Arbeitnehmer aufgrund eines besonderen persönlichen Anlasses erhält und deren Betrag 60 Euro nicht übersteigen, gehören nicht zum Arbeitslohn. Wird der Betrag überschritten, ist die pauschale Besteuerung von Sachzuwendungen nach § 37b EStG möglich.

Auch für Mahlzeiten, die aufgrund eines besonderen Anlasses, die auf Veranlassung oder vom Arbeitgeber an die Arbeitnehmer, beispielsweise anlässlich einer Auswärtstätigkeit, abgegeben werden, gilt dies ebenfalls. Wird die 60-Euro-Freigrenze überschritten, liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn vor, der nach § 37b EStG pauschal besteuert werden kann.

Lesen Sie hierzu mehr in unserem Artikel Sachgeschenke – das sollten Sie wissen“.

 

Einheitliches Pauschalierungswahlrecht

Die Einkommensteuer für betrieblich veranlasste Sachgeschenke und Zuwendungen kann mit dem Pauschalsteuersatz von 30% übernommen werden. Bei der Pauschalierung handelt es sich um eine Kann-Vorschrift. Das heißt, wenn sich das zuwendende Unternehmen für die pauschale Steuerübernahme entscheidet, gilt dieses Wahlrecht grundsätzlich für alle Zuwendungsempfänger und Sachleistungen innerhalb eines Wirtschaftsjahres.

Für

  • Sachleistungen an die eigenen Arbeitnehmer und

  • Zuwendungen an Nichtarbeitnehmer (Dritte)

ist es zulässig, das Wahlrecht getrennt voneinander auszuüben.

Das heißt, es ist möglich, dass der Arbeitgeber, also der Zuwendende, für die eigenen Arbeitnehmer die pauschale Steuer von 30 % für das Wirtschaftsjahr anwendet – jedoch bei Geschenken und Incentives für Dritte keine Steuerübernahme vornimmt.

Wichtig:
Für das gesamte Wirtschaftsjahr muss innerhalb eines Pauschalierungskreises einheitlich verfahren werden.

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Bei einer 5-jährigen Betriebszugehörigkeit erhalten alle Mitarbeiter eine Armbanduhr im Wert von 300 Euro. Der Arbeitgeber übernimmt die Steuer von 30 %, wendet also die Pauschalierungsvorschrift an.

Und im Dezember überreicht der Unternehmer seinen 10 wichtigsten Geschäftspartnern einen Geschenkkarton, was die Firma brutto 300 Euro kostet.

Der Arbeitgeber meldet die Jubiläumsuhr zur pauschalen Lohnsteuer nach § 37b EStG an. Das heißt, für diesen Personenkreis ist der Unternehmer das gesamte Jahr an die Pauschalsteuer von 30 % gebunden.

Für die Geschenke an die 10 Geschäftspartner hat der Arbeitgeber ein eigenes Wahlrecht. Der Unternehmer hat keine Verpflichtung, die pauschale Einkommensteuer von 30 % von der Firma zu übernehmen, die die Geschenke erhält.

 

Die Unterteilung in zwei Pauschalierungskreise

…. bietet dem Unternehmen Steuervorteile.

Durch die Vorgehensweise, für Sachzuwendungen für die eigenen Arbeitnehmer und Sachzuwendungen an Nichtarbeitnehmer zwei eigenständige Pauschalierungsvorschriften zu wählen, hat das zuwendende Unternehmen den Vorteil, bei der Lohnsteuer den Pauschalsteuersatz von 30 % zu wählen. Dieser ist gegenüber der Nettobesteuerung weniger kostspielig und bringt zudem den Vorteil, dass der Unternehmer nicht die Abgabenlast für die Sachleistungen an Geschäftsfreunde, Kunden oder fremde Dritte tragen muss.

Weitere Beiträge

Höhere Pfändungsfreigrenzen ab Juli 2023

Höhere Pfändungsfreigrenzen ab Juli 2024

Durch die Pfändungsfreigrenzen soll sichergestellt werden, dass der Schuldner bei einer Pfändung des Arbeitseinkommens seinen gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen nachkommen und über das Existenzminimum verfügen kann. Bei einem Arbeitseinkommen, welches den Grundfreibetrag übersteigt, steht dem Schuldner ein Teil seines Mehrverdienstes zu. ... weiterlesen

22. Mai 2024


Lohnabzüge verstehen

Verständliche Erklärung von Lohnabzügen

In der Welt der Arbeitsverhältnisse sind Lohnabzüge ein zentraler Bestandteil, der oft Fragen und manchmal auch Verwirrung aufwirft. Egal ob man gerade in das Berufsleben einsteigt oder schon lange dabei ist, ein klares Verständnis der verschiedenen Abzüge vom Bruttogehalt ist essentiell. Dieser Artikel soll Licht ins Dunkel bringen und auf verständliche Weise erklären, was es mit den verschiedenen Arten von Lohnabzügen auf sich hat. Von Steuern über Sozialversicherungsbeiträge bis hin zu betrieblichen Vorsorgeleistungen – wir decken alles ab, was man wissen muss.... weiterlesen

3. Mai 2024


Ausschluss im Arbeitsvertrag

Wirksamkeit von Ausschlüssen im Arbeitsvertrag: Der Konflikt zwischen Lohnabtretung und Pfändung

Die Lohnabtretung bezeichnet die Übertragung von Forderungen eines Arbeitnehmers (Zedenten) an einen neuen Gläubiger (Zessionar) durch einen vertraglichen Akt, wodurch ein Gläubigerwechsel stattfindet. Die rechtlichen Grundlagen hierfür sind in den §§ 398 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verankert. Häufig werden bei Verbraucherkrediten Lohnabtretungen von Banken oder anderen Gläubigern vereinbart. ... weiterlesen

2. Mai 2024


Verzinsung und Erstattung von Pflegeversicherungsbeiträgen: Rundschreiben und neues digitales Verfahren ab Juli 2025

Verzinsung & Erstattung von Pflegeversicherungs­beiträgen 2025

Das am 27. März 2024 verkündete "Gesetz zur Stärkung von Wachstumschancen, Investitionen und Innovation sowie Steuervereinfachung und Steuerfairness" (Wachstumschancengesetz) beinhaltet wichtige Regelungen zur Pflegeversicherung. ... weiterlesen

23. April 2024


Nachträglicher Wechsel der pauschalen Bewertungsmethode

Nachträglicher Wechsel der pauschalen Bewertungsmethode

Viele Unternehmen stellen ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen Dienstwagen zur Verfügung – vor allem dann, wenn diese viel für das Unternehmen unterwegs sind. In den meisten Fällen überlasst der Arbeitgeber seinen Mitarbeitenden auch das Fahrzeug, um zum einen die Fahrten zwischen der Wohnung und der Tätigkeitsstätte zurück zu legen und zum anderen das Fahrzeug privat zu nutzen. ... weiterlesen

1. April 2024


Pfändung_und_Arbeitgeberdarlehen

Zusammentreffen von Pfändungs- und Überweisungsbeschluss und Darlehen

Beim Umgang mit einem Arbeitgeberdarlehen (AG-Darlehen) entstehen spezielle Herausforderungen, wenn gleichzeitig ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (PfÜb) gegen den darlehensnehmenden Arbeitnehmer vorliegt. Die Situation ändert sich entscheidend, je nachdem, ob der PfÜb vor oder nach der Darlehensvergabe an den Arbeitnehmer zugestellt wird.... weiterlesen

27. März 2024


LOHNDIREKT

Wir machen es einfach.

Unser Angebot spricht Sie an und Sie möchten eine individuelle Beratung erhalten?
Kontaktieren Sie uns jetzt einfach!

Melden Sie sich jetzt:

0461 / 70 71 555 info@lohndirekt.de

Mo.-Do. 9-15 Uhr, Fr. 9-13 Uhr

Oder nutzen Sie unseren komfortablen Rückruf-Service

    Unser Rückruf erfolgt während der Geschäftszeiten i.d.R. binnen 20 Minuten.

    LOHNDIREKT

    Wir haben Sie schon überzeugt?

    Fordern Sie jetzt kostenlos Ihr persönliches Angebot (ab 10 Mitarbeitern) an!


      Wir freuen uns auf Ihre Anfrage

      Rufen Sie uns an: 0461 / 70 71 555 Mo.-Do. 9-15 Uhr, Fr. 9-13 Uhr