Ob „betriebliches Ruhegeld“, „Werksrente“ oder „Betriebsrente“ – gemeint ist dasselbe: Leistungen der Alters-, Invaliditäts- oder Hinterbliebenenversorgung, die ein Arbeitgeber aus Anlass des Arbeitsverhältnisses zusagt. Für den Arbeitgeber ist die Betriebsrente mehr als ein Benefit: Sie bringt Pflichten aus dem Betriebsrentengesetz (BetrAVG) mit sich, wirkt sich auf Lohnsteuer und Sozialversicherung aus und beschäftigt Personalabteilung und Lohnbuchhaltung oft über Jahrzehnte. Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen der Betriebsrente für Arbeitgeber – von der Zusage bis zur Auszahlung.
Das Wichtigste in Kürze Stand: September 2026
- Es gibt fünf Durchführungswege: Direktzusage, Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds.
- Bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds sind 2026 bis zu 8.112 € im Jahr steuerfrei und bis zu 4.056 € sozialversicherungsfrei.
- Beschäftigte haben einen Anspruch auf Entgeltumwandlung; der Arbeitgeber muss in der Regel 15 % Zuschuss leisten.
- Arbeitgeberfinanzierte Anwartschaften werden nach 3 Jahren Zusagedauer (Mindestalter 21) unverfallbar, Entgeltumwandlung sofort.
- In der Auszahlungsphase gilt 2026 ein KV-Freibetrag von 197,75 € im Monat für pflichtversicherte Rentner.
Betriebliches Ruhegeld und Betriebsrente: die Begriffe
Das Gesetz spricht von betrieblicher Altersversorgung (bAV). Eine solche liegt nach § 1 BetrAVG vor, wenn der Arbeitgeber einem Beschäftigten aus Anlass des Arbeitsverhältnisses Leistungen für das Alter, bei Invalidität oder für Hinterbliebene zusagt. Die laufende Leistung im Ruhestand heißt umgangssprachlich Betriebsrente; der ältere Begriff „betriebliches Ruhegeld“ findet sich noch häufig in Versorgungsordnungen und Tarifverträgen.
Finanziert wird die Betriebsrente entweder vom Arbeitgeber, durch Entgeltumwandlung des Beschäftigten oder durch eine Mischung aus beidem. Zugesagt werden kann eine Leistung (Leistungszusage), ein Beitrag mit garantierter Mindestleistung (beitragsorientierte Leistungszusage oder Beitragszusage mit Mindestleistung) oder – nur in Sozialpartnermodellen – eine reine Beitragszusage ohne Garantie. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Betriebsrentenstärkungsgesetz.
Die fünf Durchführungswege im Überblick
Der Durchführungsweg legt fest, wer die Versorgung organisiert und wie Beiträge in der Ansparphase steuerlich und beitragsrechtlich behandelt werden. Die Werte beziehen sich auf 2026 (Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung: 101.400 € im Jahr).
Bei Direktzusage und Unterstützungskasse steht der Arbeitgeber unmittelbar im Risiko; bei den drei externen Wegen übernimmt die Versorgungseinrichtung die Leistung. Rechtlich haftet der Arbeitgeber aber in allen Durchführungswegen für die zugesagte Leistung (Einstandspflicht, § 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG) – mit Ausnahme der reinen Beitragszusage im Sozialpartnermodell.
Anspruch auf Entgeltumwandlung und Arbeitgeberzuschuss
Jeder in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Beschäftigte kann verlangen, dass künftiges Entgelt bis zu 4 % der BBG RV – 2026 also bis 4.056 € im Jahr – in eine Betriebsrente umgewandelt wird (§ 1a BetrAVG). Der Arbeitgeber darf einen Mindestbetrag von 1/160 der Bezugsgröße verlangen (2026: rund 297 € im Jahr) und den Durchführungsweg vorgeben; bietet er keine Pensionskasse oder keinen Pensionsfonds an, kann der Beschäftigte eine Direktversicherung verlangen. Beruht das Entgelt auf einem Tarifvertrag, ist eine Umwandlung nur möglich, wenn der Tarifvertrag sie vorsieht oder zulässt. Wie sich die Umwandlung für Beschäftigte rechnet, lesen Sie im Beitrag Entgeltumwandlung.
Spart der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge, muss er 15 % des umgewandelten Betrags zusätzlich an die Direktversicherung, Pensionskasse oder den Pensionsfonds weiterleiten (§ 1a Abs. 1a BetrAVG). Seit 2022 gilt das für alle Vereinbarungen; ein Tarifvertrag kann abweichen. Details erklärt unser Beitrag zum Pflichtzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge. Zahlt der Arbeitgeber Geringverdienern zusätzlich eigene Beiträge, kann er sich einen Teil über den Förderbetrag nach § 100 EStG vom Finanzamt zurückholen.
Der Weg einer Betriebsrente – von der Zusage bis zur Auszahlung
Zusage erteilen
Versorgungsordnung, Einzelzusage oder Entgeltumwandlungsvereinbarung schriftlich festhalten; Durchführungsweg und Versorgungsträger bestimmen. Nach dem Nachweisgesetz sind Name und Anschrift des Versorgungsträgers mitzuteilen.
Ansparphase abrechnen
Beiträge monatlich in der Lohnabrechnung berücksichtigen: Steuer- und SV-Freibeträge prüfen, Zuschuss abführen, Werte im Lohnkonto aufzeichnen.
2026: 8.112 € steuerfrei, 4.056 € SV-frei
Ausscheiden vor dem Rentenbeginn
Unverfallbarkeit prüfen, Höhe der Anwartschaft mitteilen, Übertragung oder Abfindung klären.
Rentenbeginn
Die Zahlstelle versteuert die Leistung je nach Durchführungsweg, meldet sie an die Krankenkasse und führt KV- und PV-Beiträge ab.
Laufende Rente
Alle drei Jahre die Anpassung prüfen, sofern keine Ausnahme greift.
§ 16 BetrAVG
Unverfallbarkeit: Was bleibt beim Ausscheiden?
Endet das Arbeitsverhältnis vor dem Versorgungsfall, behält der Beschäftigte eine arbeitgeberfinanzierte Anwartschaft, wenn er mindestens 21 Jahre alt ist und die Zusage zu diesem Zeitpunkt mindestens drei Jahre bestanden hat (§ 1b BetrAVG). Anwartschaften aus Entgeltumwandlung sind sofort unverfallbar. Die Höhe der unverfallbaren Anwartschaft richtet sich nach § 2 BetrAVG und ist bei Leistungszusagen in der Regel zeitanteilig zu berechnen.
Bei Zusagen über Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds, die nach 2004 erteilt wurden, kann der Beschäftigte innerhalb eines Jahres nach dem Ausscheiden verlangen, dass der Übertragungswert – bis zur Höhe der BBG RV – auf den neuen Arbeitgeber übertragen wird (§ 4 Abs. 3 BetrAVG).
Abfindung von Kleinstanwartschaften
Unverfallbare Anwartschaften dürfen nur ausnahmsweise abgefunden werden (§ 3 BetrAVG). Durch das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz gelten seit dem 22.01.2026 höhere Grenzen:
Verlangt der Beschäftigte die Übertragung seiner Anwartschaft, ist die Abfindung ausgeschlossen. Die Abfindung ist in der Abrechnung gesondert auszuweisen und einmalig zu zahlen.
Anpassungsprüfung und Insolvenzschutz
Laufende Betriebsrenten muss der Arbeitgeber alle drei Jahre darauf prüfen, ob sie an die Preisentwicklung anzupassen sind; dabei darf er seine wirtschaftliche Lage berücksichtigen (§ 16 BetrAVG). Die Prüfpflicht entfällt unter anderem, wenn er sich verpflichtet hat, die Renten jährlich um mindestens 1 % zu erhöhen, wenn bei Direktversicherung oder Pensionskasse alle Überschüsse zur Erhöhung verwendet werden oder wenn eine Beitragszusage mit Mindestleistung vorliegt.
Für Direktzusagen, Unterstützungskassen, Pensionsfonds und – mit Ausnahmen – Pensionskassen sowie bestimmte Direktversicherungen besteht ein gesetzlicher Insolvenzschutz über den Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG). Der Arbeitgeber muss sich dort melden und jährlich Beiträge zahlen; die Bemessungsgrundlage ist bis zum 30. September zu melden.
Auszahlungsphase: Steuer und Beiträge
Weil die Beiträge in der Ansparphase weitgehend steuer- und beitragsfrei sind, wird die Betriebsrente im Alter nachgelagert besteuert und verbeitragt.
In der Kranken- und Pflegeversicherung zählen Betriebsrenten zu den Versorgungsbezügen (§ 229 SGB V). Pflichtversicherte Rentner zahlen darauf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 % zuzüglich Zusatzbeitrag sowie den vollen PV-Beitrag allein. Für die Krankenversicherung gilt 2026 ein Freibetrag von 197,75 € im Monat, in der Pflegeversicherung eine Freigrenze in gleicher Höhe. Kapitalleistungen werden auf 120 Monate verteilt. Die auszahlende Stelle (Zahlstelle) meldet die Bezüge an die Krankenkasse und führt die Beiträge ab.
Rechenbeispiel: Beiträge auf eine Betriebsrente 2026
Ein pflichtversicherter Rentner mit Kindern erhält eine Betriebsrente von 400 € im Monat. Seine Krankenkasse erhebt 2,9 % Zusatzbeitrag.
- Krankenversicherung: (400 € – 197,75 €) × 17,5 % = 35,39 €
- Pflegeversicherung: 400 € × 3,6 % = 14,40 € (die Freigrenze ist überschritten, daher auf den vollen Betrag)
Eine Kapitalauszahlung von 30.000 € wird mit 250 € monatlich für zehn Jahre angesetzt: KV (250 € – 197,75 €) × 17,5 % = 9,14 €, PV 250 € × 3,6 % = 9,00 € im Monat.
Sonderfall Überbrückungsleistung: Zahlt der frühere Arbeitgeber nach einem vorzeitigen Ausscheiden ein betriebliches Ruhegeld, das die Zeit bis zur gesetzlichen Rente überbrücken soll, ist es nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts zunächst kein beitragspflichtiger Versorgungsbezug. Spätestens mit dem Rentenbeginn bzw. Erreichen der Regelaltersgrenze wird es beitragspflichtig (BSG, Urteil vom 20.07.2017, B 12 KR 12/15 R). Bei freiwillig Versicherten kann das Ruhegeld schon vorher als Einnahme zum Lebensunterhalt beitragspflichtig sein.
Betriebsrente in der Lohnabrechnung
- Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 63 EStG: Arbeitgeberbeiträge und Entgeltumwandlung an Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds sind zusammen bis 8.112 € steuerfrei, davon 4.056 € auch sozialversicherungsfrei.
- Pauschalbesteuerung nach § 40b EStG alter Fassung: Für Direktversicherungen und Pensionskassen mit Zusagen vor 2005 dürfen Beiträge weiter mit 20 % pauschal versteuert werden (bis 1.752 € im Jahr), wenn vor 2018 mindestens ein Beitrag pauschal versteuert wurde. Pauschal versteuerte Beiträge mindern den steuerfreien Höchstbetrag nach § 3 Nr. 63 EStG. Beitragsfrei in der SV sind sie nur, wenn sie zusätzlich zum Lohn gezahlt oder aus Einmalzahlungen finanziert werden.
- Arbeitgeberzuschuss von 15 % bei Entgeltumwandlung einplanen.
- Aufzeichnungspflichten: Steuerfreie und pauschal besteuerte Beiträge sind im Lohnkonto zu erfassen; beim Ausscheiden muss der Arbeitgeber dem Versorgungsträger auf Verlangen die steuerliche Behandlung mitteilen.
- Betriebsrenten aus Direktzusage oder Unterstützungskasse werden wie Arbeitslohn mit ELStAM abgerechnet; zusätzlich ist das Zahlstellen-Meldeverfahren an die Krankenkasse zu bedienen.
Praxis-Tipp: Halten Sie für jede Zusage Durchführungsweg, Finanzierung (arbeitgeber- oder arbeitnehmerfinanziert), Zusagedatum und Altzusage-Status (§ 40b alt) im Personalstammsatz fest. So lassen sich Unverfallbarkeit, Zuschusspflicht und steuerliche Höchstbeträge auch nach Jahren noch sicher prüfen – etwa beim Ausscheiden oder bei einer Betriebsprüfung.
Checkliste für Arbeitgeber
- Zusage und Versorgungsträger schriftlich dokumentiert und nach dem Nachweisgesetz mitgeteilt?
- Anfragen auf Entgeltumwandlung fristgerecht umgesetzt und Durchführungsweg festgelegt?
- 15 % Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung abgeführt (oder abweichende tarifliche Regel geprüft)?
- Steuer- und SV-Höchstbeträge 2026 (8.112 € / 4.056 €) im Lohnprogramm hinterlegt?
- Bei Austritten: Unverfallbarkeit, Übertragungsanspruch und Abfindungsgrenzen geprüft?
- PSV-Meldung bis 30. September abgegeben?
- Anpassungsprüfung laufender Renten im Drei-Jahres-Rhythmus eingeplant?
- Bei Direktzusage oder Unterstützungskasse: Zahlstellen-Meldeverfahren und KV-Freibetrag beachtet?
FAQ zur Betriebsrente für Arbeitgeber
Entgeltumwandlung, Zuschüsse, Höchstbeträge und Altzusagen – Lohndirekt bildet die betriebliche Altersversorgung Ihrer Beschäftigten zuverlässig in der Lohnabrechnung ab. Sprechen Sie uns an.