Urlaubsabgeltung im Minijob: Wann das Überschreiten der Entgeltgrenze zulässig ist

Im Regelfall darf ein Minijobber pro Jahr nicht mehr als 5.400 Euro bzw. durchschnittlich maximal 450 Euro pro Monat verdienen. Kommt es allerdings dazu, dass der Urlaubsanspruch abgegolten werden muss, wird diese zulässige Entgeltgrenze schnell überschritten. Doch keine Angst: Es gibt Fälle, in denen dies zulässig ist, ohne dass eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entsteht.

 

 

Urlaubsabgeltung: Unterschiede zwischen Arbeits- und Sozialversicherungsrecht

Grundsätzlich haben Minijobber ebenso wie normale Vollzeitarbeitnehmer das Recht, mindestens 24 Werktage bezahlten Urlaub (bzw. je nach Anzahl der Arbeitstage ihren Anteil daran) in Anspruch zu nehmen. Eine Abgeltung kommt nur dann in Frage, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird und der Arbeitnehmer seinen Urlaub nicht mehr nehmen kann.

Abweichend von dieser arbeitsrechtlichen Betrachtung spielt es für die Sozialversicherung überhaupt keine Rolle, aus welchen Gründen ein Urlaub abgegolten wird. Die Urlaubsabgeltung wird hier schlichtweg als Zusatzzahlung berücksichtigt, ähnlich als würden Sie ein Weihnachtsgeld auszahlen. Für die Einstufung des Arbeitsverhältnisses als Minijob ist das zu erwartende Arbeitsentgelt in zwölf Monaten maßgeblich. Wird durch eine Urlaubsabgeltung ein höheres Arbeitsentgelt ausgezahlt als ursprünglich geplant war, kann dies für die Einstufung als Minijob unschädlich sein – muss aber nicht.

 

Wann das Überschreiten der Entgeltgrenze zulässig ist

Das Überschreiten der Entgeltgrenze ist dann unschädlich, wenn für den Arbeitgeber nicht vorhersehbar war, dass die Zahlung (Urlaubsabgeltung) so eintreten wird. Das auslösende Ereignis darf also nicht zu einem frühen Zeitpunkt bekannt gewesen sein. Hierzu drei Beispiele:

Beispiel 1: Der Arbeitgeber kündigt dem Arbeitnehmer fristlos, woraufhin dieser nur noch am nächsten Tag erscheint, um Schlüssel und Firmenausweis abzugeben. Er kann seinen Urlaub nicht mehr nehmen. Die Urlaubsabgeltung ist zulässig, auch wenn dadurch die Entgeltgrenze überschritten wird.

Beispiel 2: Der Arbeitnehmer gibt seinem Arbeitgeber im Mai Bescheid, dass er ab September eine Vollzeitweiterbildung beginnen und dann nicht mehr für ihn arbeiten wird. Statt ihn seinen Urlaub abbauen zu lassen, lässt der Arbeitgeber ihn nun an allen Arbeitstagen arbeiten, um seinen Nachfolger anzulernen. In diesem Fall ist es vorhersehbar, dass zum Ende des Arbeitsverhältnisses eine Urlaubsabgeltung erforderlich sein wird. Da die Überschreitung der Entgeltgrenze vorhersehbar ist, ist sie unzulässig. Dieses Verhalten zieht im letzten Monat eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit den entsprechenden Beitragsverpflichtungen nach sich.

Beispiel 3: Der Arbeitnehmer kündigt ordentlich und hat noch zwei Wochen zu arbeiten. Aufgrund einer Urlaubsübertragung aus dem Vorjahr hat er aber noch mehr Urlaubstage übrig, als er in diesem Zeitraum nutzen könnte. Auch in diesem Fall ist der Minijob-Status nicht in Gefahr und die Überschreitung genehmigt.

In bis zu drei Kalendermonaten pro Jahr darf die Entgeltgrenze überschritten werden, sofern ein entsprechendes nicht vorhersehbares Ereignis zugrunde liegt.

 

 

 

 

Weitere Beiträge

Das 9-Euro-Ticket in der Lohn- und Gehaltsabrechnung

Für die Monate Juni, Juli und August hat die Bundesregierung das sogenannte „9-Euro-Ticket“ verabschiedet. Mit diesem Ticket kann jeweils einen Monat lang der bundesweite Nah- und Regionalverkehr genutzt werden.... weiterlesen

30. Mai 2022


Pauschal angesetzte Arbeitstage bei pauschal versteuertem Fahrgeld

Die Finanzverwaltung hat in einer ausführlichen Stellungnahme zur Entfernungspauschale eine Änderung eingefügt, welche auch für Ihre Abrechnung relevant sein könnte.... weiterlesen

28. Februar 2022


Neues zu pauschal versteuerten Fahrtkostenzuschüssen

Für 2021 hat der Gesetzgeber einige Änderungen zur Entfernungspauschale umgesetzt. Dazu hat nun die Finanzverwaltung ausführlich Stellung genommen. Nicht ohne weitere Änderungen umzusetzen.... weiterlesen

8. Februar 2022


Warum es im Bereich des Solidaritätszuschlags nun zum Jahreswechsel zu bösen Überraschungen kommen kann.

Zum Jahr 2021 wurde der Freibetrag sowie der Übergangsbereich beim Solidaritätszuschlag so weit nach oben geschraubt, dass viele Arbeitnehmer aktuell keinen oder einen geringeren Abzug im Bereich des Solidaritätszuschlags haben.... weiterlesen

3. Januar 2022


Beitragszuschlag für Kinderlose in der Pflegeversicherung

Zum 1. Januar 2022 wird der Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,25 Prozentpunkten auf 0,35 Prozentpunkte erhöht. Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung wurde auch der Bundeszuschuss in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich festgelegt. Mit der Erhöhung sollen die erhöhten Ausgaben in der Pflegeversicherung ausgeglichen werden. ... weiterlesen

27. Dezember 2021


2022: Individueller und durchschnittlicher Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung

Durch den Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen seit Januar 2015 erheben dürfen, ist der Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen gewachsen. Dadurch wurde den gesetzlichen Versicherern ein zusätzliches Mittel an die Hand gegeben, finanzielle Engpässe auszugleichen. ... weiterlesen

10. Dezember 2021


LOHNDIREKT

Wir machen es einfach.

Unser Angebot spricht Sie an und Sie möchten eine individuelle Beratung erhalten?
Kontaktieren Sie uns jetzt einfach!

Melden Sie sich jetzt:

0461 / 70 71 555 info@lohndirekt.de

Mo.-Fr. 8-16 Uhr

Oder nutzen Sie unseren komfortablen Rückruf-Service


    Unser Rückruf erfolgt während der Geschäftszeiten i.d.R. binnen 20 Minuten.

    LOHNDIREKT

    Wir haben Sie schon überzeugt?

    Fordern Sie jetzt kostenlos Ihr persönliches Angebot (ab 10 Mitarbeitern) an!




      Wir freuen uns auf Ihre Anfrage

      Rufen Sie uns an: 0461 / 70 71 555 Mo.-Fr. 8-16 Uhr