Zahlen Arbeitgeber Beschäftigten mit geringem Einkommen einen zusätzlichen Beitrag zur Betriebsrente, beteiligt sich der Staat daran: Über den Förderbetrag nach § 100 EStG dürfen sie 30 % des Beitrags von der abzuführenden Lohnsteuer abziehen. Mit dem Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz wird diese Geringverdienerförderung zum 01.01.2027 ausgebaut. Die Änderungen sind beschlossen und verkündet. Wir zeigen, was 2026 noch gilt, was sich 2027 ändert und wie Arbeitgeber die Förderung voll ausschöpfen.
Das Wichtigste in Kürze Stand: Oktober 2026
- Der Förderbetrag beträgt 30 % des zusätzlichen Arbeitgeberbeitrags; Mindestbeitrag 240 € im Jahr.
- 2026: höchstens 288 € Förderung bei bis zu 960 € Beitrag; Einkommensgrenze 2.575 € im Monat.
- Ab 01.01.2027: höchstens 360 € Förderung bei bis zu 1.200 € Beitrag.
- Die Einkommensgrenze beträgt ab 2027 3 % der BBG RV – voraussichtlich 3.186 € im Monat.
- Rechtsgrundlage: Zweites Betriebsrentenstärkungsgesetz, verkündet am 21.01.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 14).
So funktioniert der Förderbetrag
Der Arbeitgeber zahlt für einen förderberechtigten Beschäftigten zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn einen Beitrag an eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds. 30 % dieses Beitrags entnimmt er der einzubehaltenden Lohnsteuer und setzt den Betrag in der nächsten Lohnsteuer-Anmeldung gesondert ab. Reicht die abzuführende Lohnsteuer nicht aus, erstattet das Betriebsstättenfinanzamt den Rest. Der Beitrag selbst ist für den Beschäftigten steuerfrei.
Den Förderbetrag gibt es seit 2018. Er wurde mit dem ersten Betriebsrentenstärkungsgesetz eingeführt und 2020 schon einmal verdoppelt.
Werte 2026 und 2027 im Vergleich
Die Grenze ab 2027 ergibt sich aus der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung: Nach dem Entwurf der Rechengrößen soll sie 2027 auf 106.200 € steigen, 3 % davon sind 3.186 €. Auf Basis der BBG 2026 (101.400 €) wären es 3.042 €. Für tägliche, wöchentliche und jährliche Lohnzahlungszeiträume wird der Monatswert mit 1/30, 7/30 bzw. 12 umgerechnet. Durch die Kopplung steigt die Grenze künftig automatisch mit den Löhnen.
Voraussetzungen für den Förderbetrag
- Erstes Dienstverhältnis mit Lohnsteuerabzug im Inland – auch Minijobber, Auszubildende und Teilzeitkräfte; bei pauschal besteuertem Lohn ist dieser für die Grenze maßgeblich.
- Laufender Arbeitslohn im Zeitpunkt der Beitragszahlung unterhalb der Einkommensgrenze; Einmalzahlungen bleiben außen vor, spätere Gehaltserhöhungen sind unschädlich.
- Zusätzlicher, arbeitgeberfinanzierter Beitrag von mindestens 240 € im Jahr. Entgeltumwandlung, der gesetzliche 15-%-Zuschuss nach § 1a Abs. 1a BetrAVG und umgewidmete vermögenswirksame Leistungen sind nicht begünstigt.
- Externer Durchführungsweg: Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds – nicht Direktzusage oder Unterstützungskasse.
- Auszahlung als Rente oder Auszahlungsplan; die Vertriebskosten müssen gleichmäßig auf die Beiträge verteilt werden (keine Zillmerung).
Hat der Arbeitgeber schon 2016 zusätzliche Beiträge für den Beschäftigten gezahlt, wird nur der darüber hinausgehende Betrag gefördert. Verfällt eine geförderte Anwartschaft später und fließen Beiträge an den Arbeitgeber zurück, muss er den Förderbetrag anteilig zurückzahlen.
Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit
Der geförderte Arbeitgeberbeitrag ist bis 960 € (ab 2027: 1.200 €) nach § 100 Abs. 6 EStG steuerfrei – zusätzlich zur Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 63 EStG (2026: 8.112 €). In der Sozialversicherung bleibt er beitragsfrei, soweit er zusammen mit den Beiträgen nach § 3 Nr. 63 EStG 4 % der BBG RV (2026: 4.056 €) nicht übersteigt. Wie die Betriebsrente später versteuert und verbeitragt wird, erklärt unser Beitrag Betriebsrente: Was Arbeitgeber wissen müssen.
Rechenbeispiel
Eine Verkäuferin verdient 2.400 € brutto im Monat. Ihr Arbeitgeber zahlt zusätzlich 100 € monatlich, also 1.200 € im Jahr, in eine Direktversicherung.
- 2026: gefördert werden höchstens 960 € → Förderbetrag 960 € × 30 % = 288 €. Nettokosten des Arbeitgebers: 1.200 € – 288 € = 912 €. Die übrigen 240 € sind über § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei.
- 2027: gefördert werden die vollen 1.200 € → Förderbetrag 360 €. Nettokosten: 840 €.
Ein Kollege mit 2.900 € brutto liegt 2026 über der Grenze von 2.575 € – für ihn gibt es keine Förderung. Ab 2027 liegt er unter der neuen Grenze und kann einbezogen werden.
Was Arbeitgeber jetzt tun sollten
Bestehende Zusagen laufen 2026 unverändert weiter. Wer den neuen Rahmen ausschöpfen will, kann den Beitrag ab Januar 2027 von 80 € auf 100 € im Monat anheben. Zugleich lohnt sich ein Blick auf Beschäftigte, die bisher knapp über 2.575 € lagen. Ergänzend gilt: Wandeln Geringverdiener selbst Entgelt um, ist der Pflichtzuschuss unabhängig vom Förderbetrag zu zahlen. Wie sich die Entgeltumwandlung für Beschäftigte auswirkt, lesen Sie in unserem gesonderten Beitrag.
Praxis-Tipp: Die Einkommensgrenze wird bei jeder Beitragszahlung neu geprüft. Kommunizieren Sie die Zusage deshalb so, dass sie unabhängig von späteren Gehaltserhöhungen gilt – der Förderbetrag entfällt dann zwar ab Überschreiten der Grenze, die Versorgung bleibt aber verlässlich. Prüfen Sie außerdem mit dem Versicherer, ob der Tarif die Kostenvorgaben des § 100 EStG erfüllt.
Checkliste für Arbeitgeber
- Förderberechtigte Beschäftigte (erstes Dienstverhältnis, Einkommensgrenze) ermittelt?
- Beitrag arbeitgeberfinanziert, zusätzlich und mindestens 240 € im Jahr?
- Tarif über Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds mit gleichmäßiger Kostenverteilung?
- Förderbetrag in der Lohnsteuer-Anmeldung abgesetzt und Voraussetzungen im Lohnkonto dokumentiert?
- Lohnprogramm zum 01.01.2027 auf 360 € / 1.200 € / 3 % der BBG RV umgestellt?
- Beitragserhöhung auf 1.200 € und Einbeziehung weiterer Beschäftigter ab 2027 geprüft?
FAQ zum Förderbetrag nach § 100 EStG
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