Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld: Wer hat Anspruch – und was Arbeitgeber vereinbaren können

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Urlaubsgeld im Sommer, Weihnachtsgeld im November: Für viele Beschäftigte gehören die beiden Sonderzahlungen fest zum Jahr. Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt es allerdings nicht. Ob und in welcher Höhe gezahlt wird, ergibt sich aus Tarifvertrag, Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung – oder schlicht aus der Praxis der Vorjahre. Wir zeigen, wann ein Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld entsteht, ab wann Beschäftigte Weihnachtsgeld bekommen, was bei Kündigung, Krankheit und Teilzeit gilt und wie Arbeitgeber die Zahlungen sauber vereinbaren und abrechnen.

Das Wichtigste in Kürze Stand: Oktober 2026

  • Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Er entsteht aus Tarifvertrag, Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Gleichbehandlung oder betrieblicher Übung.

  • Wer dreimal vorbehaltlos zahlt, bindet sich in der Regel auch für die Zukunft.

  • Teilzeitkräfte erhalten anteilig, eine Kürzung wegen Krankheit ist nur mit Vereinbarung und höchstens um ein Viertel des Tagesentgelts je Krankheitstag zulässig.

  • Bei Kündigung kommt es auf den Zweck an: Vergütet die Zahlung auch geleistete Arbeit, steht sie oft anteilig zu.

  • Steuerlich sind beide Zahlungen sonstige Bezüge, in der Sozialversicherung Einmalzahlungen.

 

Woraus kann sich ein Anspruch ergeben?

Rechtsquelle 1TarifvertragViele Tarife sehen Urlaubsgeld oder eine Jahressonderzahlung vor – im öffentlichen Dienst etwa die Jahressonderzahlung mit dem Novembergehalt.
Rechtsquelle 2ArbeitsvertragEine feste Zusage im Vertrag ist bindend – auch wenn sie „Gratifikation“ heißt.
Rechtsquelle 3BetriebsvereinbarungGilt für alle Beschäftigten, die sie erfasst.
Rechtsquelle 4GleichbehandlungWer einem Teil der Belegschaft zahlt, darf andere nur mit sachlichem Grund ausnehmen.
Rechtsquelle 5Betriebliche ÜbungDreimal vorbehaltlos gezahlt – und schon kann eine Verpflichtung für die Zukunft entstehen.

Urlaubsgeld ist nicht Urlaubsentgelt: Das Urlaubsentgelt ist das normale Gehalt, das während des Urlaubs weiterläuft – darauf besteht immer ein Anspruch. Das Urlaubsgeld ist eine zusätzliche Leistung obendrauf, häufig als fester Betrag oder als Betrag je Urlaubstag.

 

Freiwillig zahlen, ohne sich zu binden

Arbeitgeber, die Sonderzahlungen nur von Jahr zu Jahr entscheiden wollen, müssen das deutlich machen. Ein pauschaler Satz im Arbeitsvertrag, alle künftigen Sonderleistungen seien freiwillig, reicht nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in der Regel nicht aus – erst recht nicht, wenn eine Leistung gleichzeitig als „freiwillig und widerruflich“ bezeichnet wird. Sicherer ist ein klarer Freiwilligkeitsvorbehalt bei jeder einzelnen Zahlung, etwa im Begleitschreiben oder auf der Abrechnung: Die Zahlung erfolgt einmalig und begründet keinen Anspruch für die Zukunft.

Fest zugesagt

Planbar für Beschäftigte, bindet den Arbeitgeber. Kürzungen – etwa wegen Krankheit – nur, wenn sie ausdrücklich vereinbart sind.

Freiwillig gezahlt

Jedes Jahr neu entscheidbar – aber nur mit klarem Vorbehalt bei jeder Zahlung. Auch freiwillige Zahlungen müssen den Gleichbehandlungsgrundsatz beachten.

 

Ab wann bekommt man Weihnachtsgeld?

Das bestimmt allein die Vereinbarung. Üblich ist die Auszahlung mit dem Novembergehalt, Urlaubsgeld kommt meist mit dem Mai- oder Junigehalt – manchmal auch je zur Hälfte im Sommer und im Winter. Für neue Beschäftigte gilt:

  • Eintritt im Laufe des Jahres: Viele Regelungen sehen eine anteilige Zahlung vor, zum Beispiel 1/12 je vollem Beschäftigungsmonat. Vergütet die Zahlung auch geleistete Arbeit, steht der Anteil auch ohne ausdrückliche Regel regelmäßig zu.

  • Probezeit oder Wartezeit: Eine Vereinbarung kann den Anspruch an eine Mindestbeschäftigungsdauer knüpfen, etwa „nach Ablauf der Probezeit“.

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    strong>Tarifverträge regeln Stichtage und Anteile meist selbst – im TVöD und TV-L zum Beispiel über die Jahressonderzahlung.

 

Sonderfälle: Kündigung, Krankheit, Elternzeit, Teilzeit

Situation
Was gilt?
Kündigung vor dem Stichtag
Belohnt die Zahlung ausschließlich Betriebstreue, darf sie an den ungekündigten Bestand zum Stichtag geknüpft werden. Vergütet sie auch geleistete Arbeit (Mischcharakter), ist eine Stichtagsklausel im Formularvertrag nach dem BAG unwirksam – dann steht ein anteiliger Anspruch zu (BAG, 13.11.2013 – 10 AZR 848/12). Tarifverträge dürfen strengere Stichtage vorsehen.
Krankheit
Eine Kürzung ist nur zulässig, wenn sie vereinbart ist, und höchstens um ein Viertel des durchschnittlichen Tagesentgelts je Krankheitstag (§ 4a EFZG).
Elternzeit, ruhendes Arbeitsverhältnis
Hängt vom Zweck und vom Wortlaut der Regelung ab. Ist eine anteilige Kürzung für Zeiten ohne Arbeitsleistung vereinbart, ist sie in der Regel zulässig.
Teilzeit
Anspruch im Verhältnis zur Arbeitszeit – eine Halbtagskraft erhält die Hälfte (§ 4 Abs. 1 TzBfG).
Minijob
Auch Minijobber haben bei gleicher Regelung Anspruch. Achtung: Sicher zu erwartende Sonderzahlungen zählen zum regelmäßigen Verdienst – im Jahr dürfen 2026 insgesamt höchstens 7.236 € (12 × 603 €) zusammenkommen. Mehr im Beitrag Minijob-Grenze 603 Euro.

Was mit bereits gezahltem Urlaubsgeld nach einer Kündigung passiert, erklärt unser Beitrag Kündigung: Was passiert mit dem Urlaubsgeld?

 

Rückzahlungsklauseln: wie lange Beschäftigte gebunden werden dürfen

Arbeitgeber können vereinbaren, dass Weihnachtsgeld zurückzuzahlen ist, wenn Beschäftigte kurz danach ausscheiden. Die Klausel muss klar sein und darf nicht zu lange binden. Die Rechtsprechung hat dafür eine Staffel entwickelt:

bis 100 €keine Rückzahlung
über 100 € bis unter 1 MonatsgehaltBindung bis 31. März
ab 1 MonatsgehaltBindung bis 30. Juni, bei deutlich höheren Beträgen ggf. länger

Fehlt eine wirksame Rückzahlungsklausel, darf das Geld behalten werden. Ein bloßer Freiwilligkeitsvorbehalt begründet keine Rückzahlungspflicht.

 

So werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld abgerechnet

Steuerlich sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld sonstige Bezüge: Die Lohnsteuer wird nicht nach der Monatstabelle, sondern über die Jahreslohnsteuer ermittelt – deshalb wirkt der Abzug im Auszahlungsmonat oft höher als erwartet. In der Sozialversicherung sind sie Einmalzahlungen: Beiträge fallen bis zur anteiligen Jahresbeitragsbemessungsgrenze an, bei Zahlungen von Januar bis März kann die Märzklausel greifen. Die Rechenwege mit Beispiel stehen in unseren Beiträgen Lohnsteuer und Sozialversicherung bei Sonderzahlungen und Märzklausel. Ein fest vereinbartes 13. Monatsgehalt behandelt unser Beitrag zum 13. Gehalt.

Praxis-Tipp: Legen Sie vor der ersten Zahlung schriftlich fest, wofür die Sonderzahlung gezahlt wird – Betriebstreue, Arbeitsleistung oder beides –, ob sie bei Eintritt im Jahr anteilig gezahlt wird und ob Krankheits- oder Elternzeitmonate zu Kürzungen führen. Diese Zweckbestimmung entscheidet im Streitfall über Stichtag, Rückzahlung und Kürzung. Wer freiwillig zahlt, sollte den Vorbehalt bei jeder Auszahlung wiederholen.

 

FAQ zu Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Nein. Ein Anspruch entsteht nur aus Tarifvertrag, Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, dem Gleichbehandlungsgrundsatz oder einer betrieblichen Übung – etwa wenn der Arbeitgeber dreimal vorbehaltlos gezahlt hat.

Ab wann bekommt man Weihnachtsgeld?

Das richtet sich nach der jeweiligen Regelung. Ausgezahlt wird meist mit dem Novembergehalt. Wer im Laufe des Jahres eintritt, erhält oft einen anteiligen Betrag; manche Regelungen setzen eine Mindestbeschäftigungsdauer wie den Ablauf der Probezeit voraus.

Bekomme ich Weihnachtsgeld, wenn ich gekündigt habe?

Das hängt vom Zweck der Zahlung ab. Ist sie eine reine Treueprämie, kann sie an ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis zum Stichtag geknüpft sein. Vergütet sie auch die geleistete Arbeit, ist eine solche Klausel im Formularvertrag meist unwirksam und es besteht ein anteiliger Anspruch.

Darf der Arbeitgeber das Weihnachtsgeld wegen Krankheit kürzen?

Nur, wenn das vereinbart ist – und höchstens um ein Viertel des durchschnittlichen Arbeitsentgelts je Krankheitstag (§ 4a EFZG).

Bekommen Teilzeitkräfte und Minijobber Urlaubs- und Weihnachtsgeld?

Ja, wenn vergleichbare Vollzeitkräfte es erhalten – anteilig im Verhältnis ihrer Arbeitszeit. Bei Minijobbern zählen regelmäßige Sonderzahlungen zum Verdienst und dürfen die Jahresgrenze von 7.236 € (2026) nicht überschreiten.

Warum wird vom Weihnachtsgeld so viel Steuer abgezogen?

Weil es als sonstiger Bezug über die Jahreslohnsteuer besteuert wird: Der Betrag wird dem voraussichtlichen Jahreslohn hinzugerechnet und mit dem dadurch höheren Steuersatz belastet. Wurde über das Jahr insgesamt zu viel Lohnsteuer einbehalten, gleicht sich das über die Einkommensteuererklärung aus.

 

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