Ein Kollege fällt aus, der Minijobber springt ein – und am Monatsende stehen plötzlich 900 Euro auf der Abrechnung. Ist der Minijob damit weg? Nicht unbedingt. Die Minijob-Grenze überschreiten darf ein Minijobber durchaus – den Status verliert er nur, wenn das Überschreiten regelmäßig, vorhersehbar oder zu hoch ausfällt. Wir zeigen, wie die Jahresbetrachtung funktioniert, wann ein gelegentliches Überschreiten erlaubt ist und was Arbeitgeber tun müssen, wenn aus dem Minijob eine versicherungspflichtige Beschäftigung wird.
Das Wichtigste in Kürze Stand: Oktober 2026
- Die Minijob-Grenze beträgt 603 Euro im Monat (2026) und steigt am 1. Januar 2027 auf 633 Euro.
- Maßgeblich ist das regelmäßige Entgelt in einer vorausschauenden Jahresbetrachtung: höchstens 7.236 Euro in zwölf Monaten (2026).
- Einzelne Monate über 603 Euro sind unschädlich, solange die Jahresgrenze eingehalten wird.
- Darüber hinaus ist ein unvorhersehbares Überschreiten in bis zu zwei Kalendermonaten im Zeitjahr erlaubt – bis höchstens zum Doppelten der Grenze (2026: 1.206 Euro).
- Wird die Grenze regelmäßig überschritten, endet der Minijob für die Zukunft: Ummeldung zur Krankenkasse, meist als Beschäftigung im Übergangsbereich.
Die Minijob-Grenze 2026 und 2027
Die Geringfügigkeitsgrenze ist seit Oktober 2022 an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt (§ 8 Abs. 1a SGB IV): Sie entspricht dem, was bei zehn Wochenstunden zum Mindestlohn verdient wird. Mit dem Mindestlohn von 13,90 Euro liegt sie 2026 bei 603 Euro, mit 14,60 Euro ab 2027 bei 633 Euro. Wie sich die Erhöhung auf die Stundenzahl Ihrer Minijobber auswirkt, lesen Sie in unserem Beitrag Mindestlohn 2026 und Minijob-Grenze.
Entscheidend ist die Jahresbetrachtung
Ob ein Minijob vorliegt, prüfen Arbeitgeber nicht Monat für Monat, sondern mit einer Prognose: Zu Beginn der Beschäftigung – und erneut bei jeder dauerhaften Änderung – schätzen sie, welches Entgelt in den nächsten zwölf Monaten mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist. Das regelmäßige Monatsentgelt darf im Durchschnitt 603 Euro nicht übersteigen. Viele Arbeitgeber legen der Einfachheit halber das Kalenderjahr zugrunde; das ist nach den Geringfügigkeits-Richtlinien ausdrücklich zulässig.
- Schwankende Einsätze: Einzelne Monate mit mehr als 603 Euro sind generell unschädlich, solange die Jahresgrenze von 7.236 Euro im gewählten Jahreszeitraum nicht überschritten wird.
- Grenze für Schwankungen: Eine Beschäftigung, die nur in wenigen Monaten deutlich mehr als geringfügig ausgeübt und in den übrigen Monaten lediglich „heruntergefahren“ wird, um die Jahresgrenze einzuhalten, ist kein Minijob – auch nicht mit saisonaler Begründung.
- Einmalzahlungen: Weihnachts- oder Urlaubsgeld, das vertraglich, tariflich oder durch betriebliche Übung sicher zu erwarten ist, gehört in die Prognose. Ein Verzicht des Minijobbers mindert das Entgelt nur, wenn er im Voraus schriftlich erklärt wird.
- Rechtsanspruch zählt: Maßgeblich ist mindestens das Entgelt, auf das ein Anspruch besteht – etwa aus Tarifvertrag oder Mindestlohn –, nicht ein tatsächlich niedrigerer Auszahlungsbetrag.
Eine sorgfältig erstellte Prognose bleibt für die Vergangenheit maßgebend, auch wenn es später durch nicht vorhersehbare Umstände anders kommt. Genau hier setzt die Ausnahmeregel für das gelegentliche Überschreiten an.
Ausnahme: die Minijob-Grenze überschreiten, ohne den Minijob zu verlieren
Wird durch einen unerwarteten Mehrverdienst auch die Jahresgrenze überschritten, bleibt der Minijob trotzdem bestehen, wenn alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:
- Unvorhersehbar: Der Mehrverdienst war bei der Prognose nicht bekannt, z. B. Mehrarbeit für eine Krankheitsvertretung oder eine Prämie, die vom Geschäftsergebnis oder der individuellen Leistung des Vorjahres abhängt.
- Gelegentlich: höchstens zwei Kalendermonate innerhalb eines Zeitjahres. Das Zeitjahr wird vom letzten Tag des zu beurteilenden Monats zwölf Monate zurückgerechnet – es ist also ein rollierender Zeitraum, nicht das Kalenderjahr.
- Höhe: Das Gesamtentgelt im Monat des Überschreitens beträgt höchstens das Doppelte der Grenze, 2026 also 1.206 Euro.
Mitgezählt werden nur Monate, in denen das unvorhersehbare Mehrentgelt tatsächlich zu einem Überschreiten der Jahresgrenze geführt hat. Monate mit vorhersehbarer Mehrarbeit – etwa eine lange geplante Urlaubsvertretung oder das jährliche Weihnachtsgeschäft – fallen nicht unter die Ausnahme. Sie gehören von vornherein in die Prognose.
Eine Besonderheit gilt für die Auszahlung von Resturlaub bei Beendigung: Wann eine Urlaubsabgeltung die Grenze sprengen darf, erklären wir im Beitrag Urlaubsabgeltung im Minijob.
Rechenbeispiel: Krankheitsvertretungen im Jahr 2026
Eine Minijobberin verdient regelmäßig 550 Euro im Monat. Der Arbeitgeber prognostiziert für das Kalenderjahr 2026 ein Jahresentgelt von 6.600 Euro – 636 Euro unter der Jahresgrenze von 7.236 Euro. Dann fallen mehrfach Kollegen kurzfristig aus:
Müsste die Minijobberin im Dezember erneut unvorhersehbar einspringen, wäre es innerhalb des Zeitjahres der dritte Überschreitungsmonat. Für die Dauer dieses Überschreitens läge dann keine geringfügige Beschäftigung mehr vor; der Dezember wäre bei der Krankenkasse versicherungspflichtig abzurechnen. Hätte sie im Juni dagegen 1.300 Euro verdient, wäre schon dieser Monat versicherungspflichtig gewesen, weil das Doppelte der Grenze überschritten ist. Der Minijob endet in diesem Fall mit dem Vormonat; anschließend ist neu zu prüfen, ob wieder ein Minijob vorliegt.
Praxis-Tipp: Halten Sie bei jedem Überschreiten schriftlich fest, wann der Ausfall bekannt wurde, wer vertreten wurde und in welchem Zeitraum der Minijobber zusätzlich gearbeitet hat. Bei der Betriebsprüfung der Deutschen Rentenversicherung müssen Sie nachweisen können, dass der Mehrverdienst nicht vorhersehbar war. Führen Sie außerdem eine einfache Übersicht über die Überschreitungsmonate der letzten zwölf Monate – so sehen Sie vor dem nächsten Einsatz sofort, ob noch „Luft“ ist.
Mehrere Beschäftigungen: Zusammenrechnung beachten
Die Minijob-Grenze kann auch dann überschritten werden, wenn der einzelne Arbeitgeber unter 603 Euro bleibt:
- Mehrere Minijobs: Die Entgelte aus allen geringfügig entlohnten Beschäftigungen werden addiert. Liegt die Summe regelmäßig über 603 Euro, sind alle Minijobs versicherungspflichtig.
- Minijob neben Hauptbeschäftigung: Ein einziger Minijob wird nicht mit einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung zusammengerechnet – und zwar der zeitlich zuerst aufgenommene. Jeder weitere wird in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet; in der Arbeitslosenversicherung bleibt er frei.
Die Ausnahme für das gelegentliche Überschreiten gilt auch bei mehreren Minijobs mit einem Gesamtentgelt bis zur Grenze. Fragen Sie deshalb bei der Einstellung schriftlich nach weiteren Beschäftigungen und lassen Sie sich Änderungen melden. Ausführlich: Mehrere Minijobs – ist das möglich?
Was passiert, wenn der Minijob endet?
Überschreitet das Entgelt die Grenze regelmäßig – etwa weil die Stunden dauerhaft aufgestockt werden –, liegt ab dem Tag der Änderung keine geringfügige Beschäftigung mehr vor. Rückwirkend ändert sich nichts. Bei einer rückwirkenden Lohnerhöhung, z. B. durch einen Tarifabschluss, beginnt die Versicherungspflicht an dem Tag, an dem der Anspruch auf das höhere Entgelt entstanden ist.
Neu beurteilen
Prüfen Sie, ob das neue regelmäßige Entgelt im Übergangsbereich (603,01 bis 2.000 Euro) oder darüber liegt.
Ummelden
Abmeldung bei der Minijob-Zentrale mit Abgabegrund 31 und Anmeldung bei der Krankenkasse des Beschäftigten mit Abgabegrund 11 (Wechsel der Einzugsstelle).
Personengruppe 101 statt 109
Beiträge umstellen
Statt Pauschalbeiträgen fallen reguläre Beiträge zu allen Versicherungszweigen an – im Übergangsbereich mit reduziertem Arbeitnehmeranteil. Eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht verliert ihre Wirkung.
Lohnsteuer anpassen
Die Pauschsteuer von 2 % entfällt. Der Lohn wird nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) versteuert.
Sinkt das Entgelt später wieder dauerhaft auf höchstens 603 Euro, kann erneut ein Minijob vorliegen – dann in umgekehrter Richtung mit den Abgabegründen 31 und 11. Wer vorher von der Rentenversicherungspflicht befreit war, muss die Befreiung in diesem Fall neu beantragen.
Rentenversicherung im Minijob
Minijobber sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig und zahlen 3,6 % des Entgelts selbst; sie können sich auf Antrag befreien lassen. Seit dem 1. Juli 2026 lässt sich eine solche Befreiung einmalig für die Zukunft wieder aufheben – Details im Beitrag Befreiung von der Rentenversicherungspflicht aufheben. Besonderheiten bei Altersvollrentnern erklären wir unter Minijob für Rentner.
Nicht verwechseln: Für die kurzfristige Beschäftigung spielt die Entgeltgrenze keine Rolle für die Zeitgrenzen – dort zählen drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr.
Checkliste für Arbeitgeber
- Jahresprognose bei Beginn und bei jeder dauerhaften Änderung erstellt und dokumentiert?
- Sicher zu erwartende Einmalzahlungen in die Prognose einbezogen?
- Stundenumfang zum Jahreswechsel an die Grenze von 633 Euro (2027) angepasst?
- Bei Mehrverdienst geprüft: Wird die Jahresgrenze überhaupt überschritten?
- Unvorhersehbarkeit belegt und Überschreitungsmonate der letzten zwölf Monate gezählt?
- Höchstbetrag von 1.206 Euro (2026) im Ausnahmemonat eingehalten?
- Weitere Beschäftigungen des Minijobbers abgefragt?
- Bei regelmäßigem Überschreiten: Ummeldung zur Krankenkasse, Beiträge und Lohnsteuer umgestellt?
FAQ zum Überschreiten der Minijob-Grenze
Prognose, Überschreitungsmonate, Ummeldung – Lohndirekt behält Ihre Minijobber in der Lohnabrechnung zuverlässig im Blick. Sprechen Sie uns an.